LUX IN ARCANA

Vorgeschmack

Es war in den späten 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Ich beschäftigte mich gerade mit dem Exclusive Kaiser Franz Josefs im Konklave nach dem Tod von Leo XIII im Jahre 1903. Als aussichtsreichster Kandidat für den Nachfolger auf Petris Stuhl galt der Kardinalstaatssekretär Rampolla. Nach zwei Wahlgängen zeichnete sich bereits eine Mehrheit für ihn ab und es war nur eine Frage ganz kurzer Zeit, bis er gewählt sein würde. Um das zu verhindern, ließ Franz Josef durch den Kardinal Puzyna aus Krakau seinen Einspruch gegen die Wahl Rampollas verlesen. Dieses kaiserliche Veto sorgte im Konklave für ungeheures Aufsehen und verhinderte letztlich Rampollas Wahl. Neuer Papst wurde der Venezianer Kardinal Sarto, der den Namen Pius X annahm.

Mich interessierten in erster Linie die Hintergründe, warum Franz Josef ein (kirchenrechtlich höchst umstrittenes) Veto einlegte. Um das zu erforschen, verbrachte ich tagelang meine Zeit in Archiven und Bibliotheken, kam aber nicht wirklich voran. Wieder einmal musste ich feststellen, wie die Herren der Wissenschaft schamlos von einander abschrieben und der eigentlichen Erforschung der archivalischen Quellen aus dem Weg gingen.

Bald wurde mir bewusst, dass es wahrscheinlich nur eine Quelle gab, wo ich meinen Wissensdurst stillen konnte: das Geheimarchiv des Vatikans.

Ich erzählte einer Bekannten von meinen Nöten. Sie wusste, dass der „Chef“ des Geheimarchivs und der Bibliothek (der ist immer im Kardinalsrang) ein Österreicher sei, und zwar Alfons Kardinal Stickler. Durch familiäre Bande weitschichtig mit ihm verwandt, nahm sie sich ein Herz und rief einfach im Vatikan an, verlangte bei der Telephonvermittlung den Kardinal Stickler und hatte ihn auch schon in der Leitung. Nach ein paar einleitenden Worten vereinbarte sie für mich einen Besuchstermin.

Zwei Wochen später saß ich Sua Eminenza Reverendissima, Cardinale archivista e bibliotecario in seinem Büro mitten im Vatikan gegenüber. Kardinal Stickler war damals schon ein älterer Herr, mit einer sehr freundlichen Art, ohne Allüren und mit einem profunden Wissen ausgestattet. Sein Büro war, mit Ausnahme eines großen Portraits von Papst Sixtus IV, dem eigentlichen Gründer der Vatikanischen Bibliothek, ein schmuckloser, kahler Raum von außergewöhnlichen Dimensionen: ca. zehn Meter lang, drei Meter breit und zwei Stockwerke hoch. Der Schreibtisch war nicht viel kürzer als der Raum lang war. Das Herz jedes Autographensammlers hätte bei diesem Anblick schneller zu schlagen begonnen. Auf dem Tisch lagen stoßweise Bücher, Handschriften und Inkunabeln. Stickler sagte mir, womit er sich derzeit beschäftigte. Leider habe ich mir das nicht gemerkt. Man halte mir zu Gute, dass ich in diesem Augenblick doch sehr aufgeregt war. Wie oft im Leben sitzt man denn am Schreibtisch des Cardinale archivista!

Das Schönste sollte aber noch kommen. Stickler läutete einen Sekretär herbei und gab Anordnung, mir Zugang zum Archiv zu gewähren.

Unvergesslich blieben mir die Eindrücke der folgenden Stunden. Archiv und Bibliothek verfügen über mehrere Lesesäle, deren Ausschmückungen im krassen Gegensatz zum kahlen Büro des Leiters sind: Marmor, wohin das Auge blickt, glänzende Fußböden, die einer Kirche alle Ehre gegeben hätten und farbenprächtige Deckengemälde, die Einrichtung modern und zweckmäßig, wie sie einer gut ausgestatteten Bibliothek in unseren Breiten entspricht.

Überall saßen Gelehrte im wahrsten Sinne des Wortes: alte Herren mit dicken Brillen, vergraben hinter Büchern und Archivkartons, lasen alte Schriften in irgendwelchen toten Sprachen wie unsereiner die Tageszeitung liest. Bibliotheksdiener kamen und gingen völlig lautlos (sie trugen Filzschuhe, um die Marmorböden zu schonen), schleppten Stöße von Büchern und Kisten mit Archivgut herbei und umsorgten die Weisen.

Es war einer der eindrucksvollsten Tage meines Lebens.

Ausstellung 2012

Im Februar dieses Jahres las ich von der bevorstehenden Eröffnung einer Ausstellung in Rom: LUX IN ARCANA (Licht ins Verborgene).Aus dem Geheimarchiv des Vatikan werden Dokumente gezeigt, die noch nie den Vatikan verlassen haben und auch noch nie öffentlich ausgestellt wurden.

Die Erinnerung an einen Tag vor 25 Jahren stand in mir auf. Es bedurfte keiner langen Überlegung, warum und wie und ob überhaupt. Flug und Hotel waren schnell gebucht.

Die Ausstellung fand in den Capitolinischen Museen statt.

Gezeigt wurden hundert Dokumente quer durch die Jahrhunderte bis zum 2. Weltkrieg. Ich kann hier nicht auf alle Artefakte eingehen, sondern beschränke mich auf eine subjektive Auswahl jener, die mich am meisten beeindruckt haben.

Galileo Galilei

Der Rundgang beginnt wie eine der Londoner Symphonien von Haydn mit einem mächtigen Akkord oder einem Paukenschlag: Zu Füssen des übermenschlich großen Standbildes von Innozenz X wird in der ersten Vitrine aus den Prozessakten der Inquisition das Dokument gezeigt, in dem Galileo Galilei vor dem Gerichtshof seine „Irrlehre“ bekennt. Im Prozess hat er auf dieses Papier die Schwurhand gelegt und seiner Lehre abgeschworen. Der Schwur rettet ihn zwar vor dem Tod auf dem Scheiterhaufen, trug ihm aber letztlich eine Verurteilung zu lebenslängliche Haft ein. Doch seine Gönner waren mächtig. Der Kreis seiner Freunde und Bewunderer reichte bis zum Papst persönlich. Bereits am Tag nach der Verurteilung zog er in die römische Villa des florentinischen Gesandten ein. Einen Kerker hat er nie von innen gesehen.

Exkommunikation Luthers

Die damaligen Vorgänge werden den meisten Lesern bekannt sein. Nachdem Luther seine 95 Thesen dem Kardinal Albert von Brandenburg, Erzbischof von Mainz übersandt hatte und eine Abschrift davon an das Kirchentor von Wittenberg annagelte, worin er gegen das genialste Finanzierungsinstrument aller Zeiten, den Ablasshandel wetterte (hätten wir so etwas nur heute; es gäbe keine Eurokrise!), reagierte Rom sehr schnell (verständlich, wenn da einer versucht den Geldhahn zuzudrehen) und sandte Legaten, Theologen und Kardinäle nach Deutschland, um den Aufmüpfigen umzustimmen, was ja bekanntlich misslang. Papst Leo X griff nach der stärksten seiner Waffen und erließ am 3. Januar 1521 die Bulle Decet Romanum Pontificem, in der er Luther exkommunizierte. Das Original, in Leder gebunden, war ausgestellt und ich habe es gesehen.

Edikt von Worms

Das Edikt von Worms gehört untrennbar zum Vorgang der Exkommunikation Luthers.

Bereits am 12. Februar 1521 überreichte in Worms ein Spezialgesandter des Papstes dem Kaiser Karl V eine Abschrift der Bulle Decet Romanum Pontificem. Im Begleitschreiben ersuchte der Papst den Kaiser, für die Durchsetzung der in der Bulle ausgesprochenen Auflagen und Strafen im Reich Sorge zu tragen. Wie dies möglich sein sollte, erlaubte sich Leo X gleich eine Empfehlung zu geben: Karl möge ein Edikt erlassen, in dem Luther gebannt werde. Um dem beruflich schwer überlasteten Kaiser die Arbeit des Ausformulierens des Textes abzunehmen, gestatte er sich, hier gleich einen fertigen Erlass beizulegen, den er, der Kaiser, nur zu unterschreiben brauche.

Karl tappte aber nicht in die Falle. Er legte das päpstliche Schreiben den Herren des anwesenden Reichstages vor und bat um deren Stellungnahme. Der Reichstag war gespalten. Die hörigen Gefolgsleute Roms konnten sich nicht durchsetzen. Ohne einer Einvernahme Luthers wollte der Reichstag keine Entscheidung treffen. Es kam zu einem Hearing mit Luther in Worms, zu dem Karl dem Rebellen freies Geleit zusicherte.

Doch Luther blieb bockig und war nicht bereit, auch nur ein Haarbreit von seiner Überzeugung abzuweichen, es sei denn, jemand könnte ihn, unter Berufung auf die Heilige Schrift vom Gegenteil überzeugen. Alles Zureden blieb fruchtlos.

Schweren Herzens entschloss sich der Kaiser, das Edikt zu erlassen. Der päpstliche Textvorschlag wurde gründlich überarbeitet. Das erforderte einige Tage Zeit, die von den Gönnern Luthers zu intensiven Kulissengesprächen genutzt wurden. Luther wurde von Friedrich von Sachsen, mit stillschweigender Billigung des Kaisers, Schutz und Sicherheit versprochen und auf der Wartburg interniert. Karl V erließ am 26. Mai 1521 das Edikt von Worms. Es wurde angeordnet, sämtliche Schriften Luthers zu vernichten, er selbst wurde für vogelfrei erklärt und jeder, der ihn beherbergte, mit der Todesstrafe bedroht.

In meiner Autographensammlung habe ich ein Schreiben mit eigenhändiger Unterschrift von Karl V. Es freute mich, hier seine Signatur wiederzufinden.

Zelo Domus Dei

Jener Innozenz X, der in Bronze gegossen, seine segnende Hand über die Vitrine Galileis streckt, begegnet in Briefform dem Besucher bald wieder.

Der kalte Schauer der Geschichte, der Ausdruck höchster Menschenverachtung, die Verniedlichung menschlichen Leids und Elends zu Gunsten einer skrupellosen Politik der Machterhaltung, wehte mir beim Protestschreiben von Innozenz X gegen den Abschluss des Westfälischen Friedens 1648 entgegen.

Besser als Schiller kann man den Hintergrund der Zeit nicht beschreiben:

Ein Tummelplatz von Waffen ist das Reich,
Verödet sind die Städte, Magdeburg
Ist Schutt, Gewerb und Kunstfleiß liegen nieder,
Der Bürger gilt nichts mehr, der Krieger alles,
Straflose Frechheit spricht den Sitten Hohn,
Und rohe Horden lagern sich, verwildert
Im langen Krieg, auf dem verheerten Boden.

Dieser Krieg wurde am 24. Oktober 1648 mit der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens beendet. Mitteleuropa lag am Boden und es brauchte die Aufbauarbeit vieler Generationen, bis es sich erholt hatte. Mit dem Ergebnis der Friedensverhandlungen war niemand wirklich zufrieden, fast alle unterschrieben zähneknirschend. Aber ausgeblutet und am Ende ihrer Kräfte waren letztlich alle froh, dass nun Friede sein sollte.

Nur Rom forderte eine Fortsetzung des Krieges. Zu viele Machtpositionen sind in die Hände der Protestanten gekommen, zu viele Diözesen, Klöster und andere kirchliche Besitztümer waren für die katholische Kirche für immer verloren. Dem konnte der Papst nicht untätig zusehen.

In dem Breve Zelo Domus Dei legte Innozenz X offiziellen Protest gegen den Vertragsabschluss ein, erklärte alle Abmachungen für null und nichtig und forderte die sofortige Aussetzung des Friedensvertrages.

Es war ein Glücksfall für Europa, dass Kaiser Ferdinand III die Veröffentlichung des Briefes und seine Verlesung von den Kanzeln in den katholischen Kirchen untersagte. Das Breve blieb ohne Widerhall und ohne geschichtliche Auswirkungen.

Mich stimmte es aber traurig und ich verließ neiderfüllt diese Vitrine. Eines meiner Sammelgebiete ist der 30jährige Krieg. Ich habe einige sehr interessante Autographen aus dieser Zeit. Warum nur musste dieser Brief von Innozenz X über 350 Jahre in den Archiven des Vatikans verstauben? Er wäre besser in meiner Sammlung aufgehoben und würde ihr zu Glanz und Glorie verhelfen. Meine Ohnmacht gegenüber dem Vatikan wurde mir bewusst.

Inter cetera

Ich musste nicht weit gehen, um auf ein weiteres Dokument zu stoßen, dass kaum nachhaltige Auswirkungen auf den Verlauf der Geschichte hatte. Mit der Bulle Inter Cetera nahm Papst Alexander VI am 4. Mai 1493 quasi eine Teilung der Erde vor. Amerika war entdeckt worden und es ging nun um die Einflusssphären der Königreiche Spanien und Portugal. Alexander VI zog nun eine Trennlinie vom Nord- zum Südpol quer durch den Atlantik. Das Gebiet westlich von dieser Linie sollte Spanien, östlich davon den Portugiesen gehören, gerade so, als ob es nicht noch andere europäischen Mächte mit Appetit auf die Errichtung von Kolonien gäbe.

Alexander VI Borgia, eine der dunkelsten Figuren der Kirchengeschichte, betont in der Bulle zwar wortreich, dass er seine Entscheidung aus freiem Entschluss, nur auf Grund seiner apostolischen Machtbefugnis und seiner Stellvertreterschaft Jesu Christi auf Erden getroffen habe, aber das war, wie vieles in seinem Leben, gelogen. Tatsächlich kam er dem Drängen des spanischen Königspaares Ferdinand und Isabella, den Reyes Católicos, nach und erfüllte deren Wunsch, ihre Position in dem sich abzeichnenden diplomatischen Gerangels um die Aufteilung der zu erwartenden Entdeckungen zu stärken.

Ganz im Sinne der Kirche war die Auflage, in den Gebieten, die Spanien zugesprochen wurden, dafür zu sorgen, dass Missionare in ausreichender Anzahl die einheimischen Völker katholisch machen sollten. Wir wissen, wie Spanien dies ausgelegt und durchgeführt  hatte.

Weder Spanien noch Portugal haben sich an die Trennungslinie gehalten. Die Welt wurde anders aufgeteilt. Das Machtwort der Kirche verhallte.

Konstantinische Schenkung

Recht spät entdeckte ich in der Ausstellung (man konnte nicht von Vitrine zu Vitrine gehen, da auch andere Besucher etwas sehen wollten) ein graphisch eher unauffälliges Dokument, für mich jedoch der spirituelle Höhepunkt der ganzen Ausstellung: eine Abschrift aus dem 16. Jhdt. der Konstantinischen Schenkungsurkunde.

Ich muss gestehen, dass mir beim Anblick dieses Dokuments ein Schauer über den Rücken lief und ich den Begleittext zweimal lesen musste (alle Exponate werden mit Begleittexten in italienischer und englischer Sprache auf einem Bildschirm vorgestellt) um wahrzunehmen, dass die katholische Kirche überhaupt auf dieses Thema einging.

Die Konstantinische Schenkung ist der größte Betrug der Weltgeschichte. Sie ist die Basis, auf der die Kirche ihre weltliche Macht aufbauen konnte.

Die Schenkung hat nie stattgefunden.

Darum kann in der Ausstellung auch nur eine Abschrift gezeigt werden, denn ein Original hat es, ebenso wie die Schenkung selbst, nie gegeben. Irgendwann, genau lässt sich das nicht sagen, wahrscheinlich im 7. oder 8. Jhdt. wurde in Rom ein Schriftstück produziert und auf das Jahr 315 rückdatiert, in dem festgehalten wird, dass Kaiser Konstantin dem Papst Silvester und allen seinen Nachfolgern die Herrschaft über Rom, Italien und dem westlichen Teil des römischen Reichs schenkt. Er selbst zieht sich nach Byzantion, so hieß damals Konstantinopel, zurück. In der Renaissance wurde das Dokument eindeutig als Fälschung entlarvt. In der Folge wurde diese Enthüllung totgeschwiegen. In der Reformationszeit musste der Heilige Stuhl jedoch zugeben, dass es sich bei dem Dokument um eine Fälschung handle, hielt aber bis ins 19. Jhdt. daran fest, dass die Schenkung per se stattgefunden hatte.

Heute, wo von einer weltlichen Macht der Kirche nicht mehr gesprochen werden kann, ist das Thema aus unserem Gesichtskreis entschwunden. In dieser Ausstellung zeigt die Kirche Flagge, oder, um es neudeutsch auszudrücken, sie scheint das Problem aufgearbeitet zu haben.

Pracht und Kuriosität

Neben den vielen „geschichtsschweren“ Dokumenten gibt es eine Reihe von prachtvollen Autographen und auch Kuriositäten, von denen ich einige kurz erwähnen möchte.

Das optisch prächtigste Stück ist ein Schreiben, das Heinrich VIII veranlasste. Der König nötigte die Mitglieder des House of Lords, Papst Klemens VII einen Brief zu schreiben und mit Nachdruck die Scheidung des Königs von Katharina von Aragon zu verlangen. Das Autograph ist 93 cm breit und 46 cm hoch. Durch die Plica sind auf Seidenschnüren 85 rote Wachsiegel in etwa 15 Reihen aufgehängt. Es sind die Siegel der Unterzeichner des Schreibens. Ihre Unterschriften befinden sich auf der Plica oberhalb der entsprechenden Siegelschnur.

Hätte man in der Ausstellung ein gutes Faksimile dieses Autographen angeboten, ich hätte es mir gekauft.

In einer riesigen Vitrine, die einen ganzen Raum ausfüllt, sind die Dokumente der Auflösung des Templerordens ausgestellt. Die einzelnen Schriftstücke sind auf einer Rolle von Pergament mit übergroßen Ausmaßen fixiert: 56.5 m lang und 58 cm breit. Allein die Herstellung eines solchen Pergamentbandes muss ein Vermögen verschlungen haben. Sichtbar sind in der Vitrine nur ein Teil der Dokumente, der Rest ist aufgerollt.

Ein sehr schönes Autograph ist der Brief der letzten Ming Kaiserin an den Papst aus dem Jahr 1650. Er ist auf Seide geschrieben mit schönen chinesischen Schriftzeichen. Sie bittet den Papst (sie selbst war von jesuitischen Missionaren getauft) zu Gott für den Fortbestand der Mingdynastie zu beten. Gott hat sich aber anders entschieden, oder der Papst hat gar nicht dafür gebetet.

Aus fernen Landen ist auch das älteste Schreiben in mongolischer Sprache aus dem Jahr 1279. Es ist ein Geleitbrief für den päpstlichen Gesandten, ausgestellt vom Khan von Persien, um ihm freies Reisen zu ermöglichen. Der Brief wurde erst durch Zufall am Anfang des 20. Jhdts im Vatikanischen Archiv entdeckt.

Sehr beeindruckend ist ein Buch. Es beinhaltet die Buchhaltung des Hauses Borghese aus den Jahren 1748 – 1755. Es besteht aus 1057 Seiten, ist 57 cm hoch, 43 cm breit und hat eine Rückenbreite von ebenfalls 43 cm. Um es zu tragen waren sicherlich mehrere Diener erforderlich, denn es wiegt 67 kg.

Ich möchte mit Mozart meinen Bericht abschließen. Im Jahre 1769 unternahm Mozart mit seinem Vater eine Konzertreise durch Italien. Letzte Station war Rom. Mozart hörte bei einer Messe in der Sixtinischen Kapelle einen neunstimmigen Choral von Gregorio Allegri. Diese Musik konnte man nur hier hören, denn es war bei Strafe der Exkommunikation verboten, die Noten anderen Sängern zur Verfügung zu stellen oder sie zu kopieren. Mozart ging nach dem Gottesdienst in sein Quartier, setzte sich hin und schrieb den ganzen Choral aus dem Gedächtnis nieder.

Papst Klemens XIV hörte von diesem jugendlichen Talent, ließ ihn kommen und ernannte ihn zum Ritter des Ordens vom Goldenen Sporn. In der Ordensurkunde unterlief dem vatikanischen Schreiber ein peinlicher Fehler: die Heimatdiözese Mozarts wurde mit Straßburg statt Salzburg angegeben.

Gesamteindruck

Fast der ganze Tag ist mit der Besichtigung der Ausstellung aufgegangen. Am Abend studierte ich noch den Katalog und bekam Lust auf mehr. Am übernächsten Tag sah ich mir alles noch einmal an.

Ich habe lange nachgedacht, welche Ausstellung ich in meinem Leben innerhalb weniger Tage zweimal besucht habe. Mir ist keine eingefallen.