Bukidomino

Es war im Laufe des Jahres 1909, als von Amerika kommend, sich eine neue Variante des in Österreich sehr populären Dominospiels ausbreitete. Das erfolgte nicht langsam, sondern verbreitete sich wie eine Epidemie, die außer Kontrolle geraten war. Binnen ganz kurzer Zeit wurde Bukidomino, oder wie es manchmal auch bezeichnet wurde „Sechserdomino“, in fast allen Kaffeehäusern in Wien gespielt und zwar an vielen Tischen. Allmählich breitete sich das Spiel in die ganze Monarchie aus.

Ein Spiel mit so großer Popularität musste einfachen Regeln gehorchen. Und die waren auch leicht verständlich. Die Grundzüge des Dominospiels waren jedem Kind bekannt. Es bedurfte daher nur weniger Abänderungen, die es aber in sich hatten.

Die wichtigste Neuerung war: es wurde um Geld gespielt.

Für eine Partie Bukidomino waren vier Spieler erforderlich. Einer von ihnen hielt die Bank. Er wurde als „Buki“, abgeleitet vom Wort „Buchmacher“, bezeichnet. Bevor das Spiel begann musste Einigung über den Höchst- und Mindesteinsatz erzielt werden. Das war rasch getan, denn es wurde tischweise immer mit den gleichen Limits gespielt.

Dem Spiel, bestehend aus 45 Steinen, wurden vorweg alle neun Doppelsteine, also von 0-0 bis 8-8 entnommen, sodaß 36 Steine zur Verfügung standen. Der Buki mischte den Satz und gab jedem Spieler sechs Steine, sich selbst als Letzter. Die verbleibenden zwölf Steine bildeten den Talon, oder auch Stamm genannt und nahmen an dem Spiel nicht teil.

Der Talon wurde in der Mitte des Tisches (natürlich verdeckt) in drei Reihen aufgelegt und diente als Unterlage, auf den die Spieler ihre Einsätze platzierten.

Der Spieler mit dem höchsten Stein, also wenn vorhanden 8-7, begann. Er erlegte seinen Einsatz unter Beachtung der Grenzen für den Höchst- und Mindesteinsatz. Dann legten die anderen Spieler (es wurde gegen den Uhrzeigersinn gespielt) ihre Steine an. Konnte ein Spieler nicht anlegen, musste er passen und es kam der nächste dran. Ein Nachkaufen aus dem Talon gab es nicht.

Spätestens nach zwei Runden mußten alle Spieler ihre Wetteinsätze platziert haben, immer unter Einhaltung der Höchst- und Mindestgrenzen. Sie hatten also Zeit, unter Beobachtung des Spielverlaufs und Einschätzung der Kraft ihrer Steine, ihren Einsatz festzulegen. Dieses Privileg stand dem ersten Spieler nicht zur Verfügung. Der musste seinen Einsatz mit dem Legen des ersten Steins sofort platzieren.

Sieger wurde der Spieler, der zuerst alle seine Steine angelegt hatte. Der Fall trat relativ selten ein, da ja die Steine aus dem Talon nicht mitspielten und daher im Spielplan abgingen. Alternativ wurde dann der Spieler zum Sieger erklärt, der die niedrigste Punkteanzahl in Händen hatte.

Nun folgte die Abrechnung. Der Sieger nahm seinen Einsatz zurück und erhielt vom Buki das Doppelte des gesetzten Betrags ausbezahlt. Die Wetteinsätze der Verlierer zog der Bankhalter ein. Ein neues Spiel konnte beginnen. Der Sieger legte beim neuen Spiel den ersten Stein, und zwar seinen schwersten.

Häufig trat der Fall ein, dass zwei Spieler am Ende die gleiche Augenanzahl in den Steinen aufwiesen. Ein solches Spiel galt als unentschieden. Die Einsätze blieben liegen, konnten aber nach Ausgabe der Steine von den Spielern bis zum maximalen Wetteinsatz erhöht werden. Verringern war verboten.

Sollte der Buki das Spiel gewonnen haben, strich er alle Wetteinsätze ein und gab für ein neues Spiel die Steine.

Wurde Bukidomino im Kaffeehaus gespielt, kam noch eine ganz wichtige Regel dazu: es konnten sich auch Kiebitze beteiligen. In Wien hießen diese „Galeristen“. Die Kiebitze durften nicht stehend dem Spiel zusehen, sondern nahmen hinter dem Spieler Platz mit dem sie gegen die Bank Einsätze platzierten. Die Sitzordnung war genau einzuhalten. Ein Blick auf die Steine eines anderen Spielers war streng verboten. Die Höhe des Wetteinsatzes war unabhängig vom Einsatz des Spielers. Beurteilte der Kiebitz zum Beispiel die Spielsituation besser als der Spieler selbst, konnte er mit seinem Einsatz bis zur Höchstgrenze gehen. Auf jeden Fall war er aber auf Gedeih und Verderb dem Spielschicksal „seines“ Spielers ausgeliefert.

Der Buki duldete keine Kiebitze hinter sich. Er spielte ganz alleine.

Bukidomino war eine Quelle von Streitereien. Es kam zu den ersten Prozessen, wobei es immer nur um die Frage ging, ob Bukidomino ein verbotenes Hasardspiel sei oder nicht. Die Verhandlungen fanden vor den Bezirksgerichten statt. Das Vorspiel war immer das gleiche. Anonyme Anzeigen wurden bei der Polizei gemacht, der Cafetier N.N. dulde, dass in seinem Kaffeehaus Bukidomino gespielt werde. In den Anzeigen wurde darauf hingewiesen, Bukidomino ist ein reines Hasardspiel und es sei daher von der Polizei zu unterbinden. Die Anzeigen häuften sich. Ehefrauen beklagten die Spielsucht ihrer Männer und verwiesen auf die Zerstörung von Existenzen. Die Polizei musste handeln. Es wurden Bukidominopartien in einem Café in Mariahilf ausgehoben und die Spieler und der Kaffeesieder zur Anzeige gebracht.

Es kam zu einem Prozess.

Der Bezirksrichter zog einen Sachverständigen aus dem Spielerfache bei. Dieser, in seinem bürgerlichen Beruf Cafetier, fand jedoch, dass es sich beim Sechserdomino um ein harmloses Spiel handle und deshalb auch nicht verboten sei. Der Richter fällte für alle Angeklagten einen Freispruch.

Die Zeitungen berichteten in großer Aufmachung. Die Folge war, Bukidomino wurde noch mehr gespielt. Alle Beteiligten wähnten sich auf Grund des Freispruchs auf der sicheren Seite. Von einem verbotenen Spiel ist nirgends die Rede.

Für die Kaffeesieder war es das große Geschäft. Sie verdienten weniger an der Konsumation als am Spielgeld. In einem Kaffeehaus muß man (auch heute im 21. Jahrhundert noch) ein bescheidenes Spielgeld bezahlen, gleich ob man Bridge, Tarock oder Domino spielt. Beim Bukidomino sah die Situation aber anders aus. Für ein gewöhnliches Dominospiel betrug das Spielgeld pro Abend und pro Person 20 Heller. Beim Bukidomino kassierte der Cafetier vom Buki zehn Kronen pro Stunde. Und gespielt wurde an zehn bis zwanzig Tischen bis zur Sperrstunde tief in die Nacht. Was sonst bisher gespielt wurde, wie Billard, verschiedene Karten- und Würfelspiele, gehörte der Vergangenheit an, Bukidomino hatte alle anderen Kommerzspiele nahezu verdrängt.

Um diese Beträge in ein richtiges Licht zu setzen: ein Dorfschullehrer verdiente damals 100 Kronen im Monat, ein Mittelschulprofessor für Latein und Griechisch 250 und ein Universitätsprofessor monatlich ca. 1000 Kronen.

Die Anzeigen bei der Polizei nahmen epidemische Ausmaße an. Sie reichten von Informationen über zerstörte Existenzen, von Berichten wie Männer auf die schiefe Bahn gerieten, nur um sich Geld auf krummen Wege zu verschaffen und es dann im Kaffeehaus beim Bukidomino zu verspielen, bis zu Feststellungen, dass durch Bukidomino mehr Ehen in Brüche gegangen seien, als durch unerlaubte Seitensprünge.

Wieder handelte die Polizei. Diesmal in einem anderen Stadtteil. Im Café Marienbrücke wurde eine Bukidominopartie ausgehoben und sieben Spieler wegen Teilnahme an einem Hasardspiel und der Cafetier wegen Duldung dieses in seinem Lokal, angeklagt. Verhandlungstermin war der 25 Februar 1911.

In der polizeilichen Anzeige, welche die Grundlage der Anklage bildete, wurde ausführlich beschrieben, dass der Buki, also der Bankhalter, die größten Gewinnchancen hat und findige Leute dies bald herausfanden und innerhalb kürzester Zeit ein kleines Vermögen erwarben. Die Mitspieler gingen meist leer aus.

Nach durchgeführtem Beweisverfahren sprach der Richter sämtliche Angeklagten frei. In der Urteilsbegründung betonte der Richter, „……dass das fragliche Spiel zweifellos als ein Hasardspiel anzusehen sei, da der Erfolg vorzugsweise vom Zufall abhängt. Geschicklichkeit und Intelligenz der Spieler sind nicht maßgebend bei diesem Spiel, sondern hauptsächlich der Zufall. Der Freispruch der Angeklagten erfolgt, da sich die Angeklagten mit Rücksicht auf die früher erfolgten Freisprüche im guten Glauben befunden haben, das Rechtsvotum, das in dem Freispruch gelegen sei, sei für die Angeklagten als Tatirrtum anzusehen, der sie straffrei mache.“

Der Staatsanwalt meldete gegen den Freispruch Berufung an.

Bereits am 1. März 1911, also wenige Tage später, fand im gleichen Bezirksgericht, aber vor einem anderen Richter, zum selben Thema eine Verhandlung statt. Ausgehoben wurde von der Polizei eine Bukidominopartie im Café Mariahilf. Angeklagt war der Cafetier, der Buki und weitere fünf Mitspieler. Auch ein Sachverständiger, wieder ein Cafetier, wurde der Verhandlung beigezogen.

Die Angeklagten verteidigten sich mit dem Hinweis, dass das Spiel ja nicht verboten sei, wie auch die Freisprüche in letzter Zeit gezeigt hätten. Auf die Frage des Richters an den Bankhalter, wieviel er so täglich gewinne, antwortete der Buki mit treuherzigem Blick, dass sich Gewinne und Verluste abwechselten und sich schließlich ausglichen.

Der Sachverständige gab zu Protokoll, dass das Spiel mit Rücksicht auf die Regeln, bei dem
ein großer Teil der Steine nicht mitspielt, als ein Spiel bezeichnet werden müsse, bei dem der Erfolg hauptsächlich vom Zufall abhänge. Diese Aussage löste ein scharfes Rededuell mit einem der Verteidiger aus. Der warf dem Sachverständigen nämlich vor, dass er sich selbst strafbar mache, da er Bukidomino als Hasardspiel bezeichne aber das Spiel in seinem eigenen Kaffeehaus gespielt werde. Der Sachverständige erwiderte, er habe in der letzten Zeit das Spiel auch in seinem Lokal dulden müssen, weil er sich sonst alle Gäste vertrieben hätte.

Zur Untermauerung der Aussage des Sachverständigen schlug dieser vor, hier und jetzt dem Richter ein Bukidominospiel vorzuführen. Der Richter willigte ein. Es wurden aus dem Auditorium (der Saal war mit Bukidomino Spielern überfüllt) drei überaus gewandte Bukispieler ausgewählt. Ein Dominospiel war schnell zur Hand. Der Sachverständige hielt die Bank. Es wurde gemischt, gegeben und gespielt. Im Verlauf des Spieles suchten der Verteidiger und auch die Mitspieler gegen die Auffassung des Sachverständigen, dass es sich um ein Hasardspiel handle, zu polemisieren. Der Sachverständige blieb jedoch bei seinem Gutachten.

Der Richter hatte sich aber für die Verhandlung gut vorbereitet. Er fragte bei der bekannten Spielkartenfabrik Piatnik an, ob Bukidomino ein Hasardspiel sei oder nicht. Die Antwort war unmißverständlich: Da beim Sechserdomino von den ursprünglich 45 Steinen nur 24 (nämlich vier Spieler mit sechs Steinen) aktiv teilnehmen, hängt alles nur vom Zufall ab. Wird darauf mit Geld gewettet, handelt es sich eindeutig um ein Hasardspiel.

Außerdem verlas der Richter eine Reihe teils anonymer Anzeigen, in denen das Café Mariahilf als ein reines Monte Carlo bezeichnet wurde und es eine Schande sei, dass die Polizei dies dulde, wo doch Verluste bis 1000 Kronen vorkommen. Fünfzig bis sechzig Personen heißt es in einer weiteren Anzeige, verlassen ohne einen Heller das Lokal, während die beiden Buchmacher (einer sitzt hier auf der Anklagebank) sich bereichern und das Geld scheffelweise nach Hause tragen.

In zwei weiteren nach der Aushebung der Partie an die Polizei gerichteten Schreiben wird der Polizei der innigste Dank dafür ausgedrückt, dass endlich diesem Gaunerspiel ein Ende gemacht wurde

Unter allgemeiner Spannung des Auditoriums verkündete der Richter das Urteil, womit sämtliche Angeklagte der Übertretung des Hasardspieles gemäß § 522 St.-G. schuldig erkannt wurden. Der angeklagte Kaffeehausbesitzer und der angeklagte Bankhalter wurden zu je hundert Kronen, die übrigen Angeklagten zu je fünfzig Kronen Geldstrafe verurteilt. Als unbedingte Folge der Verurteilung wurde über die nach Ungarn zuständigen Angeklagten die Ausweisung aus sämtlichen Kronländern Österreichs ausgesprochen.

Bei Verkündung des Urteils, welches die Angeklagten sehr bestürzt machte, erschollen aus dem Auditorium vereinzelte Bravorufe.

In der überaus interessanten Begründung des Urteils führte der Richter im Wesentlichen aus:

Bei jedem Spiel ist zu unterscheiden zwischen Kombination und Spekulation. Erstere setzt voraus, dass der Spieler das Spiel beherrschen kann. Eine Kombinationsmöglichkeit liegt dann vor, wenn das Spiel ein geschlossenes Ganzes bildet, und es ist, wo im Spiel eine wesentliche Lücke entsteht, die Kombinationsmöglichkeit ausgeschlossen. Es tritt dann die Spekulation auf den Zufall ein. Bei einem geschlossenen Kartenspiel wird der Spieler kombinieren können, welche Karten der Partner in Händen hat, und danach sein Spiel einrichten. Wo wie im Bukidomino die Hälfte der Steine vom Spiel ausgeschaltet ist, ist jede logische Kombination ausgeschlossen. Ein nicht zu unterschätzendes Moment für die Frage, ob ein Spiel ein Hasardspiel ist, ist es auch, ob die Partner gleiche Gewinnstchancen haben. Bei dem Bukidomino trifft dies nicht zu, da der Bankhalter, der sogenannte Buki. mathematisch berechnet, die größere Gewinnstchance hat als die übrigen Mitspieler.

Bezüglich der Frage des subjektiven Verschuldens der Angeklagten betonte der Richter, dass die früheren freisprechenden Urteile, auf die sich die Angeklagten zum Nachweise berufen, dass sie das Bukidomino für erlaubt halten konnten und gehalten haben, die Angeklagten nicht entlasten können. Urteile, erklärte der Richter, haben nicht Gesetzes- oder Verordnungskraft; das Urteil eines Gerichtes bezieht sich nur auf einen einzelnen konkreten Fall und ist für andere Fälle nicht präjudizierlich. Auch die Öffentlichkeit gibt sich häufig mit den Entscheidungen des Gerichtes in den einzelnen Fällen nicht zufrieden; gerichtliche Entscheidungen erfahren oft eine Anfechtung im Rechtsmittelweg und eine Kritik in der Öffentlichkeit. Auch im vorliegenden Falle, erklärte der Richter, sind nach den freisprechenden Urteilen zahlreiche Anzeigen bei der Polizei und zahlreiche Beschwerden über die Gefährlichkeit des Bukidominos als Hasardspiel eingelaufen; die Angeklagten waren sich auch trotz der Urteile schon aus der Beschaffenheit und der Spielart des Bukidominos bewusst, dass es sich um ein Hasardspiel handle, und können sich nicht auf Urteile deshalb berufen, weil ihnen diese genehm sind.

Die Verurteilten meldeten gegen das Urteil in puncto Schuld und Strafe die Berufung und die Nichtigkeit an.

Das Urteil mit der erstmaligen Verurteilung der am Bukidomino Beteiligten zeigte Wirkung. Die Genossenschaft der Kaffeesieder verlautbarte unter Hinweis auf die jüngsten Verurteilungen der Bukispieler eine Warnung an die Mitglieder der Genossenschaft, das Bukispiel in ihren Räumlichkeiten nicht zu dulden.

Die Warnung der Genossenschaft verpuffte. Die Spieler verwiesen auf die jüngst ergangenen Freisprüche und fühlten sich völlig unbelastet, jene die am 1. März verurteilt wurden, hatten ja gegen das Urteil Berufung und Nichtigkeit angemeldet und waren sich sicher, dass am Ende des Tages auch für sie ein Freispruch herauskommen würde. Die Kaffeesieder duldeten das Spiel weiter, da bei Untersagung des Spieles die Existenz ihres Lokals stark gefährdet gewesen wäre.

Die Justizbehörde legte die Berufungsverhandlungen – des Freispruchs vom 25. Februar. und des Schuldspruchs vom 1.März – zu einer Verhandlung zusammen. Am 8. Juni 1911 fand diese vor einem Appellsenat des Landesgerichts statt.

Groß war der Auftritt an Rechtsanwälten. Die Freigesprochenen waren von vier, die Verurteilten von drei Anwälten vertreten. Die Zuschauerbänke waren bis zum letzten Platz besetzt, viele Interessierte mussten aus Platzgründen abgewiesen werden.

Auch ein Sachverständiger war beigezogen. Es war wieder ein Kaffeesieder , der Besitzer des Café l’Europe.

Er wurde auch gleich zu Beginn der Verhandlung aufgefordert, sein sachverständiges Gutachten abzugeben. Er führte aus, dass das Bukidomino sich von dem gewöhnlichen Dominospiel nur dadurch unterscheide, dass beim Bukidomino vorerst die neun Doppelsteine ausgeschieden und dann noch weitere zwölf Steine nicht ins Spiel gebracht werden dürfen. Im übrigen aber biete das Bukidomino genau dieselben Kombinationsmöglichkeiten wie das gewöhnliche Domino, und wenn auch dem Zufall ein gewisser Einfluss auf den Gang des Spieles eingeräumt werden muss, so hänge der Enderfolg beim Spiel in weitaus größerem Maße von der Geschicklichkeit des Spielers im Kombinieren ab. Sehr bedauerlich sei es, dass sich zu diesem Spiele auch sehr viele wettende Kiebitze zu drängen pflegen, wodurch das Spielen des Bukidominos unleugbar einen verwerflichen Charakter gewinne; allein es dürfe doch nicht übersehen werden, dass es sich hier nicht darum handle, ob das Spiel unmoralisch, sondern einzig und allein darum, ob es ein reines Glücksspiel sei, was aber verneint werden müsse.

Nachdem der Sachverständige geendet hatte, stellte der Staatsanwalt noch einige Fragen und hielt die Berufung hinsichtlich der Freigesprochenen aufrecht und beantragte gleichzeitig die Verwerfung der von den Verurteilten eingelegten Appellationen.

Die Verteidiger der Freigesprochenen verwiesen auf das Gutachten des Sachverständigen und hoben insbesondere hervor, dass das Gericht im vorliegenden Falle Farbe bekennen und erklären müsse, ob das Bukidomino ein Hasardspiel sei oder nicht, und ob es für den Spieler selbst als ein Hasardspiel erkennbar war. Die Verteidiger der Verurteilten beantragten deren Freispruch aus dem Grunde, weil diese sich angesichts der früheren freisprechenden Erkenntnisse im guten Glauben über die Natur des Bukidominos befunden haben. Alle Verteidiger wiederholten im Wesentlichen ihre bei den Hauptverhandlungen bereits vorgetragenen Argumente. Neue Darlegungen kamen nicht zur Sprache.

Das Gericht zog sich zur Beratung zurück. Es zog sich lange zurück.

Die Zuseher diskutierten auf den Gängen vor dem Verhandlungssaal, spazierten auf und ab und rauchten. Als dann in einer Fensternische plötzlich ein Dominospiel ausgepackt und die Doppelsteine daraus ausgesondert wurden, fuhren die Anwälte der Verurteilten dazwischen und forderten, angesichts der nach wie vor ungeklärten Rechtslage, die Anwesenden auf, provokative Handlungen in den Gängen des Gerichts zu unterlassen.

Das Gericht erschien und verkündete das Urteil: Die Berufung der Staatsanwaltschaft hinsichtlich der Freigesprochenen wurde zurückgewiesen, der Berufung der Verurteilten hingegen Folge gegeben und auch diese freigesprochen.

Unbeschreibliche Szenen spielten sich im Saal ab. Die aus allen Österreichischen Kronländern Ausgewiesenen führten wahre Freudentänze auf und mussten von ihren Rechtsanwälten zur Mäßigung ermahnt werden.

In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, dass der Gerichtshof nach dem Gutachten des Sachverständigen nicht die Überzeugung gewonnen habe, dass es sich beim Bukidomino um ein reines Glücksspiel handle. Wie der Sachverständige angeführt habe, sei zu diesem Spiel eine gewisse Geschicklichkeit und auch Kombination erforderlich und dem Zufalle, der bei jedem Spiele vorkomme, könne keine überwiegende Bedeutung zukommen. Sollte man aber auch annehmen, dass der Zufall bei diesem Spiele die größte Rolle spielt, so war nach Ansicht des Gerichtes dieses Überwiegen des Zufalles beim Bukidomino nicht so stark, als das es den Spielern als reines Glücksspiel erkennbar sein müsste.

Bereits wenige Tage nach diesem Urteil meldet sich die Genossenschaft der Kaffeesieder mit einem Zirkular bei ihren Mitgliedern: Winkelbuchmacher sind in den Lokalen nicht zu dulden, da sie nach den Gesetzesbestimmungen ebenso strafbar sind, wie die Buchmacher selbst. Ferner werden die Genossenschaftsmitglieder gewarnt, trotz des freisprechenden Erkenntnisses der Berufungsbehörde das Bukidomino in ihren Lokalen nicht zuzulassen, da nach den eingezogenen Erkundigungen der Genossenschaft bei der kompetenten Behörde die endgiltigen behördlichen Entscheidungen noch nicht getroffen worden sind.

Die „kompetente Behörde“ stellte zwar interne Beratungen an, konnte sich jedoch nicht zu einer „endgiltigen Entscheidung“ durchringen.

Bukidomino beherrschte das Kaffeehausleben wie nie zuvor.

Ein so weit verbreitetes und bereits als populär zu bezeichnendes Spiel, zog in seinem Dunstkreis alle möglichen Figuren aus der Halbwelt an. Es kam häufig zu Streit, der manchmal in Tätlichkeiten ausartete. Auch wurden die Gerichte immer wieder mit Klagen konfrontiert, die ein schiefes Licht auf die Kaffeehauskultur warfen aber auch für Laien interessante Details des Spiels aufzeigten.

Ein immer wiederkehrender Vorwurf und Gegenstand von vielen Gerichtsverhandlungen war der „Zund“. Der Bankhalter, also der Buki, lässt sich von einem Kiebitz durch eine geheime Zeichensprache Informationen über die Steine eines Spielers geben. Da der Buki ohnehin immer gegenüber den Spielern im Vorteil war, hätte er es grundsätzlich gar nicht nötig am Zund zu spielen. Wenn aber der Spieler einen sehr hohen Einsatz erlegte, und dieser durch mitbietende Kiebitze noch weiter stark erhöht wurde, war die Verlockung für den Buki schon sehr groß, diese Partie zu gewinnen. Der Zünder nahm dann eine Stellung hinter dem Spieler ein, von der aus er dessen Steine sehen konnte und gab durch Gesten dem Buki diese Informationen weiter. Die Gesten konnten darin bestehen, dass der Zünder sich die Augen auswischte, den Schnurrbart bald rechts oder links aufdrehte, die Zigarre entweder links oder rechts in den Mund steckte und dergleichen mehr. Das Berühren des Kinns bedeutete das Ansehen eines Fünfers, des Kragens eines Achters und so fort. Wichtig bei der Kommunikation des Buki mit dem Zünder war, dass die Gesten vom Buki erkannt wurden ohne dass er den Zünder direkt anschauen musste.

Gewann dann der Buki und hatte der Spieler – und mit ihm die setzenden Kiebitze – viel Geld verloren, wurde schnell der Vorwurf des Zündens in den Raum gestellt. Der Zünder beteiligte sich nicht an dem entstehenden Streit. Er war längst nicht mehr an diesem Tisch und kiebitzte mit unschuldiger Miene bei einer anderen Partie.

Die Spielverluste beim Bukidomino konnten sehr hoch sein. Es kamen Verluste bis zu tausend Kronen in einer Stunde vor, was immerhin das Monatsgehalt eines Hochschulprofessors war. Es darf dabei nicht vergessen werden, dass ja im Kaffeehaus gespielt wurde und nicht in einem Kasino in Monte Carlo.

Zum Vergleich sei hier angeführt, um welche Beträge es bei einer Tarockpartie ging. Spielten vier etwa gleich starke Spieler drei Stunden lang eine Partie und der Point wurde mit den damals gebräuchlichen 4 Heller gerechnet, so konnte ein Spieler, wenn er wirklich viel Pech mit seinem Blatt hatte, höchstens bis zu zehn Kronen verlieren. Ein so hoher Betrag war aber eher die Ausnahme.

Nicht nur Betrügereien spielten sich im Rahmen des Bukidominospiels ab. Es gab auch menschliche Tragödien. So beklagte sich eine 25 jährige Näherin, dass ihr Verlobter ihre seit frühester Jugend zusammengesparte Mitgift in Höhe von 600 Kronen, unter Vorspiegelung erfundener falscher Tatsachen, abgeluchst und beim Bukidomino verspielt hätte. Dann hätte er sie sitzen gelassen und nun stünde sie ohne Ersparnisse und ohne Bräutigam da. Als Grund, warum sie ihm das Geld überhaupt gegeben habe, nannte sie den Umstand, dass sie dem Mann, dem sie ihr ganzes künftiges Leben anvertraue, nicht gleich bei der ersten Bitte misstrauen dürfe.

Menschen, die in die Kasse ihres Arbeitgebers griffen und das Geld beim Bukidomino verspielten, standen immer wieder vor Gericht. Es begann in der Regel mit kleinen Verlusten, dem folgte der Wunsch das verlorene Geld zurückzugewinnen, letztlich hat aber nur der Bankhalter gewonnen. Geblieben ist der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Vorstrafe, und in schweren Fällen Zuchthaus.

In den Kaffeehäusern spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Oft kamen Frauen um ihre Männer vom Spieltisch wegzureißen, nachdem diese innerhalb kurzer Zeit die Spargroschen von Jahren verspielt hatten. Bukidomino war aber nicht nur ein Spiel für Männer; auch Frauen hatte der Spielteufel im Griff. Das Wirtschaftsgeld für den ganzen Monat war schnell verspielt und die Kinder konnten nur mehr mit trockenem Brot ernährt werden.

Über Selbstmorde, deren Ursache zwar nicht eindeutig geklärt werden konnten, von denen man aber munkelte, dass hohe Verluste beim Bukidomino einen maßgeblichen Anteil am Tode des Dahingeschiedenen hatten, wurde in den Kaffeehäusern immer wieder gesprochen.

So konnte es nicht weitergehen.

In der Kaffeesiedergenossenschaft wurden Beschlüsse gefasst, die Behörden aufzufordern, Bukidomino zu den verbotenen Spielen zu zählen. Zu viele Vorkommnisse waren im Zusammenhang mit dem Spiel vorgefallen. Gelegentlich wurde auch schon in den eleganten Kaffeehäusern beobachtet, dass sich Personen von fragwürdiger Existenz einschlichen, um an einigen Tischen Bukidomino zu spielen. Da die Genossenschaft keine Verbote aussprechen konnte, wurden Gespräche mit der Polizei geführt, um verstärkt Razzien durchzuführen.

Der Polizei musste man das nicht zweimal sagen. Sie hatte bereits ein Kaffeehaus im Visier, wo ein Buki eine Jahrespacht von 72.000 Kronen an den Cafetier bezahlte, für das Vorrecht, alleine die Bank halten zu dürfen. Bei einer groß angelegten Razzia in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft wurden dann im Café „Mariahilf“ siebzehn Personen vorübergehend festgenommen und zur Anzeige gebracht; die Spieler wegen Hasardspiels, der Kaffeesieder wegen Duldung dieses. Polizei und Staatsanwaltschaft waren der festen Überzeugung, dass das Gericht diesmal einen Schuldspruch fällen und das Spiel unter die Hasardspiele einreihen werde.

Der Josefstädter Strafrichter der mit der Prozessführung betraut wurde, bereitete sich in Erwartung einer spektakulären Verhandlung so vor, dass er das Bukidomino lernte und tagelang in seinem Büro spielte. Seine Partner waren aber nicht schlaue Kaffeehausspieler, sondern junge Rechtspraktikanten, die von den Feinheiten des Spiels keine blasse Ahnung hatten.

Am 6. April 1914 um 13.00 Uhr nahm beim Bezirksgericht Josefstadt die Verhandlung gegen die Bukispieler, mit allen Anzeichen eines Sensationsprozesses, ihren Anfang. Schon zwei Stunden vorher hatten sich vor dem Verhandlungssaale nahezu zweihundert Personen, durchwegs Bukibankhalter aus der Leopoldstadt und aus Mariahilf, angestellt. Eine Anzahl von Justizwachleuten musste einschreiten, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Als der Einlass in den Saal gewährt wurde, kam es zwischen der Menge und den Justizwachleuten zu erregten, und in Tätlichkeiten ausartenden Szenen.

Angeklagt waren 17 Personen, die von zwei Rechtsanwälten verteidigt wurden. Einer der beiden Anwälte war der angesehene Dr. Steger, der dreizehn Jahre später im spektakulären Mordprozess Grosavescu den Freispruch der Mörderin erwirken sollte.

Bei der Verlesung des Polizeiberichtes kam es im Saal zu Unmutsäußerungen. So wurde bekannt, dass in vielen Wiener Kaffeehäusern die Kaffeesieder mit den Bankhaltern gemeinsame Sache machten und das Publikum mit Anzeigen über spielgeldfreie Teilnahme anlockten. Der Buki bezahlte den Cafetier großzügig für diese Werbeaktionen.

Im Verhör mit den Angeklagten wurde gelogen dass sich die sprichwörtlichen Balken bogen. Ein angeklagter Bankhalter, der im Polizeibericht als professioneller Bankhalter bezeichnet wird, erklärte, dass er keineswegs vom Bukispiele gelebt habe, er habe einen Erwerb und überdies sei sein Vater Hausbesitzer. Wie sich später herausstellte war das Haus eine bessere Schrebergartenhütte. Gewinne und Verluste hätten sich übrigens über einen längeren Zeitraum ausgeglichen. Die anderen Angeklagten fühlten sich frei von Schuld, da sie kein verbotenes Spiel betrieben hätten.

Der Staatsanwalt erklärte einleitend, dass er sich dessen bewusst sei, durch die heute erhobene Anklage mit der gerichtlichen Praxis über die Frage des Bukidomino im Widerspruche zu stehen. Wenn vielleicht seinerzeit die Auffassung des Gerichtes über den rechtlichen Charakter dieses Spieles gerechtfertigt war, so ist sie es unter den heute obwaltenden Verhältnissen nicht mehr. Das Spiel hat eine ungewöhnliche Ausbreitung gefunden und die Spielleidenschaft in besonderem Masse entfacht.

Aus den Gerichtsnotizen könne man fast täglich entnehmen, wie ungeheuer groß die Zahl derer ist, die durch das Bukidomino dem Verbrechen in die Arme getrieben werden.

Der Staatsanwalt suchte dann zu beweisen, dass das Bukidomino als Hasardspiel auszufassen sei, da bei diesem Spiele, bei welchem eine ganze Anzahl von Steinen liegen bleibe, die Kombinationsmöglichkeit jedenfalls wesentlich eingeschränkt sei und der Erfolg vorwiegend vom Zufall abhängt. Schließlich, betonte der Staatsanwalt, dass rücksichtlich der Kiebitze, die sich an dem Spiele durch Setzen von Beträgen auf einzelne Spieler beteiligen, das Bukidomino als reines Glücksspiel anzusehen sei, da den Kiebitzen gewiss eine Kombinationsmöglichkeit nicht gegeben sei.

Die Verteidigung sah das ganz anders. Sie betonte, dass die vorliegende Anklage nicht einen Schein von Berechtigung habe und nur als ein Akt bestellter Justiz anzusehen sei. Unter den Augen der Polizeibehörde sei das Spiel in den Kaffeehäusern eingeführt und jahrelang anstandslos betrieben worden. Das Bukidomino sei ein reines Geschicklichkeitsspiel. Der Eifer der Polizei gegen das Bukidomino müsse Wunder nehmen, wenn man bedenke, dass die Polizei gegenüber dem Spiel am Turf und der Hasardspiele in den einzelnen Klubs — an den Jockeiklub wage sich überhaupt kein Polizeiagent heran — vollkommen gleichgültig sei.

Gegen den Inhalt des Polizeiberichtes müsse insofern Protest erhoben werden, als damit dem Richter zugemutet wird, dass er nicht ein rechtliches-, sondern ein sittliches Urteil fällen solle.

Unter großer Spannung des Auditoriums verkündete sodann der Richter das Urteil:

Sämtliche Angeklagte werden von der Anklage wegen Hasardspielens freigesprochen.

In der Urteilsbegründung führte der Richter im Wesentlichen aus: Als verbotenes Spiel kann das Bukidomino nicht angesehen werden, weil ein solches Verbot bisher nicht erlassen wurde. Als Hasardspiel oder reines Glückspiel kann das Bukidomino nicht angesehen werden. Das Bukidomino ist eine Abart des gewöhnlichen Dominos. Dadurch, dass eine Reihe von Steinen verdeckt bleibt, ist das Gebiet der Kombinationsmöglichkeit verkleinert, aber nicht ausgeschlossen, weshalb das Bukidomino nicht zum Hasardspiel erklärt werden kann.

Ist es aber kein Hasardspiel, dann kann auch nicht die Beteiligung der Kiebitze als Hasardspiel angesehen werden, denn auch für den Kiebitz kommt die Geschicklichkeit des Spielers, auf den er setzt, in Betracht.

Aber der Vorsitzende sagte noch etwas, was sich für die Zukunft des Bukidomino von Wichtigkeit herausstellen sollte: Wenn die Polizei der Anschauung sei, dass das hier in Rede stehende Spiel zu den Hasardspielen gehöre, so müsse es ihr überlassen bleiben, im Wege der politisch-administrativen Behörde das Verbot dieses Spieles zu erwirken und Ordnung zu schaffen, wenn sich bei einem Spiele, das sonst kein Glücksspiel wäre, durch Wetten Missbräuche einbürgern.

Als der Richter mit seiner Begründung fertig war, ertönten im Zuhörerraum laute Beifallsrufe, sodass mit der Räumung des Saales gedroht werden musste.

Der Staatsanwalt meldete gegen das Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde und gegen den Freispruch die Berufung an.

Die schriftliche Ausfertigung des Urteils dauerte mehrere Wochen, die Zustellung an die politisch-administrative Behörde auch so lange. Ein rasches Einschreiten war aber nicht mehr erforderlich.

Denn es trat ein Ereignis ein, das dem Bukidomino mit einem Schlag den Boden entzog: Am 28. Juni wird der Thronfolger des Reichs bei einem Attentat in Sarajevo getötet, am 28. Juli erklärt Österreich – Ungarn Serbien den Krieg, am 6. August erfolgte die Kriegserklärung an Russland.

Die Generalmobilmachung und die Kriegsvorbereitungen lassen keine Zeit dafür, in den Kaffeehäusern Bukidomino zu spielen.

Am 6. September 1916 hat die politisch-administrative Behörde schließlich doch noch reagiert: durch eine Verordnung des Innenministeriums auf Grund des § 522 des Allgemeinen Strafgesetzes wird das Bukidomino verboten.

Das Militär folgte einige Monate später: Das Kriegsministerium verbietet das Spiel „Bukidomino“ auf Grund des § 796 Militär Strafgesetzes für Militärpersonen.

Nach dem Weltkrieg hatten die überlebenden Menschen andere Sorgen, als Bukidomino zu spielen.

Das Spiel, das viel Not und Elend in die Welt brachte und für so manche Justizgroteske sorgte, ist in Vergessenheit geraten. Heute kennt man nicht einmal mehr seinen Namen.