Friedensvertrag von Saint Germain

Am 10. September 1919 fand dieser Akt der Demütigung statt.

Die Forderung der Rückgabe der Borso Bibel an Italien stand tatsächlich im Vertrag, obwohl die italienischen Unterhändler zu diesem Zeitpunkt bereits genau wussten, dass die Bücher nicht mehr in Wien waren und Österreich gar nicht darüber verfügen konnte. Daneben forderten die Italiener eine Fülle von Kunstgegenständen, Gemälden, Skulpturen Schriftstücken, Schmuck, Juwelen Münzen, Medaillen, darunter die Gemme des Aspasios, ein Chef d´oeuvre antiker Steinschneidekunst und Herzstück der kaiserlichen Sammlungen.

Gemme des Aspasius (ca. 100 v.Chr.)

Gemme des Aspasios (ca. 100 v.Chr.)

Im Friedensvertrag standen aber auch Forderungen anderer Länder an den österreichischen Kunstbesitz.

Belgien forderte den Ildefonso-Altar, ein dreiteiliges Altarbild von Rubens, und den Schatz des Ordens vom Goldenen Fließ, sowie Waffen, Münzen und Medaillen. Die Begründung der Ansprüche war teilweise haarsträubend.
Der tschecho-slowakische Staat beanspruchte Möbel, Urkunden, Handschriften und historische Landkarten.
Schließlich verlangte Polen aus dem Hofmuseum in Wien die Goldschale des Königs Wladislaw IV.

Glücklicherweise wurden die Forderungen nicht so heiß gegessen, wie im Vertrag niedergeschrieben. Als ob die Siegermächte geahnt hatten, dass sich Österreich einer Herausgabe der begehrten Kunst- und Kultgegenstände mit aller Macht widersetzen würden, wurde im Vertrag von Saint Germain auch das Prozedere niedergeschrieben, nach welchem zu verfahren sei, wenn Widersprüche auftreten sollten. Es musste eine Kommission gebildet werden, deren Zusammensetzung und Vorgangsweise festgelegt war. Mit Hilfe dieser Kommissionen konnten fast alle Ansprüche, außer jenen Italiens, zurückgewiesen werden.