Lisa Maria Mayer

Berlin Januar 1929

Am 3. Januar erhielt Horst Jentzsch einen Brief, auf den er schon gewartet hatte. Sorgfältig öffnete er den Umschlag und sein Herz begann schneller zu schlagen. Wieder und wieder las er die Zeilen. Es fiel ihm auf, dass der Briefe mit hellblauer Tinte, während der Briefumschlag mit dunkelblauer Tinte und offensichtlich von anderer Hand geschrieben war.

Eine Bedeutung maß er dem nicht bei.

Trotz seiner nicht gerade glänzenden finanziellen Lage machte er sich auf den Weg ins Geschäft des David Cohn in der Hardenbergstrasse.

Auch in Berlin sind für die Geschäftsleute die Tage nach Weihnachten und Neujahr ruhig. Berauschend war das Weihnachtsgeschäft in diesem Dezember des Jahres 1928 ohnehin nicht. Man merkte an allen Ecken und Enden, dass es an Geld fehlte. Arbeitslose, und von denen hatte Berlin wahrlich keinen Mangel, kauften zu Weihnachten eben nur jene Dinge, die man ohnehin kaufen musste und die dann schön verpackt, am Gabentisch lagen. Dies war vor allem warme Winterkleidung oder Wolle zum Selberstricken wiederum für warme Winterkleidung.

So war der Commis des Herrensalons David Cohn freudig überrascht, als am 3. Januar Herr Horst Jentzsch den Laden betrat und sich für einen Smoking interessierte. Der Herr wolle wohl auf einem Ball mit neuer Kleidung glänzen, alles kein Problem bei Cohn, heute Maß genommen, morgen anprobiert und übermorgen geliefert.

Doch Jentzsch winkte ab. Er brauche den Smoking erst in einer Woche. Man möge sich keine übertriebene Eile antun und stattdessen ihm doch bei der Bezahlung entgegen kommen. Er sei derzeit etwas knapp bei Kasse und würde sich eine sechsmalige Teilzahlung vorstellen.

Der Commis kannte seine Kundschaft. Man einigte sich auf eine kräftige Anzahlung, fällig gleich heute zum Maß nehmen, und den Rest in sechs Monatsraten.

Nach einer Woche hatte Jentzsch einen neuen Smoking.

Wien 1928

Der aus Ungarn stammende Holzgroßhändler Josef Mayer bekam am 22.Mai 1894 Familienzuwachs. Er ließ das Mädchen unter dem Namen Lise Maria in das Geburtenbuch der israelitischen Kultusgemeinde in Wien eintragen.

Schon frühzeitig war an dem Kind eine außergewöhnliche musikalische Begabung zu erkennen. Der Vater, vernarrt in das Mädchen, förderte diese Anlagen wie und wo er nur konnte. Zuerst wurde ein Flügel angeschafft und durch eine Hauslehrerin Klavierunterricht erteilt. Die Fortschritte waren enorm. Die Lehrerin schlug dem Vater vor, eine namhafte Pianistin, die dazu noch den Ruf einer guten Pädagogin genoss, zu engagieren. Josef Mayer ging mit Freude auf diesen Vorschlag ein.

Im Laufe der Zeit wurden immer noch bessere Lehrer verpflichtet.

Die musikalische Ausbildung wurde ausgeweitet. Der erfolgreiche Opernkomponist Franz Schreker unterrichtete Lisa Maria in Kompositionslehre und schließlich erklärte sich der bekannte Dirigent und Direktor der Wiener Oper, Franz Schalk, bereit, das Mädchen in seine Kapellmeisterklasse auf der Musikakademie aufzunehmen, was für die damaligen Verhältnisse (eine Frau als Dirigentin!) als Sensation zu werten war.

Lisa Maria Mayer schrieb ihre ersten Kompositionen. Es waren Klavierstücke, Lieder mit Klavierbegleitung, Chorwerke und schließlich Lieder mit Orchesterbegleitung.

Der Vater ging nun aufs Ganze. Er wollte wissen, ob die zahlreichen so guten Beurteilungen ihres Klavierspiels und ihrer Kompositionen wirklich der Wahrheit entsprachen, oder ob es nur Schmeichelein von „guten“ Freunden waren oder ob es sich gar um plumpe Beutelschneiderei der Lehrer handelte.

Immer nur das Beste für seine Tochter fordernd, suchte er die in Musikfragen in Wien führende Kapazität auf: Gustav Mahler. Von ihm erwartete er sich eine unbeeinflusste und über jeden Neid erhabene Aussage über die musikalische Veranlagung seiner Tochter.

Mahler studierte lange und schweigend die ihm vorgelegten Kompositionen. Dann erkundigte er sich eingehend über die finanziellen Verhältnisse des Vaters, gab einige Anregungen und fasste schließlich zusammen: „Weihen Sie Ihre Tochter der Musik“.

Das war ein schöner Satz. Josef Mayer war glücklich. Lisa Maria konnte ihre Zeit von nun an ausschließlich ihrer Begabung widmen. Sie übte täglich stundenlang am Klavier (der Vater hatte ihr zum zwanzigsten Geburtstag einen Bösendorfer Konzertflügel geschenkt) und verbrachte die übrige Zeit des Tages mit dem Lesen von Gedichten, die sie dann, wenn sie ihr gefielen und ihr Herz ansprachen, vertonte. Auch versuchte sie sich an einem Streichquartett, ließ die Skizzen aber lange in einer Lade liegen.

Die Schwierigkeiten mit denen sie zu kämpfen hatte, lagen in der Natur ihres Geschlechtes. Die Welt der Musik lag, sieht man von Sängerinnen einmal ab, in den Händen von Männern. Zwar gelang es hie und da einer Frau als Pianistin Aufmerksamkeit zu erregen, jedoch blieben solche Konzerte Eintagsfliegen. Die Konzertsäle wurden von den Vätern oder begüterten Ehemännern gemietet, die meisten Karten verschenkt. Wenn es gelang einen Kritiker einer größeren Zeitung in das Konzert zu locken und der dann noch eine nicht übelwollende Kritik in seinem Blatt brachte, so war dies schon als Erfolg zu betrachten. Eine Wiederholung dieses künstlerischen Ereignisses gab es fast nie, da die Väter oder Ehemänner ihr Geld lieber anders anlegten als in Saalmieten, die keine Rendite brachten. Und dass sich eine Konzertagentur herabließ, eine Pianistin auf Risiko des Impresarios auftreten zu lassen, blieb Wunschtraum der jungen Damen.

Es gab jedoch Frauenvereine jeglicher Zielsetzung und politischer Richtung. Sinn und Zweck dieser Vereinigungen war neben oftmals karitativen Gründen der Wunsch, eine gewisse Rolle im Gesellschaftsleben der Stadt zu spielen. Man war Mitglied eines Vereins, der seiner eigenen gesellschaftlichen Herkunft entsprach, oftmals, vor allem wenn über der Herkunft ein Schleier des Geheimnisvollen lag, auch Mitglied mehrer Vereine.

Manche dieser Frauenvereine verfügten über ein nicht unbeträchtliches Vereinsvermögen, gaben Gesellschaften in eigenen Räumlichkeiten und einige verfügten sogar über einen, wenn auch kleinen, Konzertsaal.

Konzertsäle müssen bespielt werden. Ein unbenutzter Saal eines Frauenvereins brachte den Verein selbst ins Gerede. Alles konnte man brauchen, nur nicht ins Gerede zu kommen. Also musste die von den Mitgliedern zur Veranstaltungsdirektorin gewählte Dame, immer neue Künstler bringen. Es spielte sich sehr rasch ein gewisses System ein. Das Zauberwort hieß „Jour fix“. Jeder Verein, der einen eigenen Konzertsaal hatte, veranstaltete seine Konzerte immer am gleichen Wochentag, sodass Überschneidungen äußerst selten stattfanden. Bedingt durch die Mehrfachmitgliedschaften vieler Damen war auch eine gute Auslastung gegeben. Man verbrachte seine Nachmittage, seltener seine Abende, jeweils in dem Verein, wo etwas gespielt oder gesungen wurde.

Da für Künstlerhonorare wenig oder gar kein Geld zur Verfügung stand, griff man daher vorzugsweise auf junge Artisten zurück. Unter dem Mantel, gönnerhaft für die Förderung junger Menschen einzutreten, schmückte man sich und den ganzen Verein mit selbstgezeichneten Orden der Humanität.

Für die jungen und hoffnungsvollen Talente wiederum waren diese Vereine ein wahrer Segen. Sie boten die Gelegenheit eines öffentlichen Auftrittes, man konnte sich und sein Werk einem größeren Kreis des Publikums bekannt machen und schließlich war es wichtig, mit dem so gefürchteten Lampenfieber umgehen zu lernen, was ja für die spätere große Karriere nur von Nutzen sein konnte.

Auch für Lisa Maria Mayer waren die Konzerte in den Frauenvereinen Meilensteine ihrer Laufbahn. Sie galt im Wien der Zwanzigerjahre als außergewöhnliches Talent und war daher eine entsprechend gesuchte Künstlerin. Gewisse natürliche, aber für eine aufstrebende junge Musikerin nicht unbedeutende Hindernisse, hatte sie bereits vor einigen Jahren umschifft und sich taufen lassen. Dass sie sich im katholischen Wien entschloss, zum evangelischen Bekenntnis überzutreten, tat ihrer Frauenvereinskarriere keinen Abbruch. Dem „Verein christlicher Frauen“ war die Religionszugehörigkeit insoweit gleichgültig, wenn sie nur christlich war und die jüdischen Organisationen betrachteten sie ohnehin als eine der ihrigen.

Josef Mayer war ein praktisch denkender Geschäftsmann. Mahlers Empfehlung, „seine Tochter der Musik zu weihen“ war zwar sehr schön, aber zur Bewältigung der Probleme des Lebens sollte doch ein ordentlicher Ehemann seinen Beitrag leisten. Wenn er noch dazu in der Lage wäre, das Geschäft des Holzhandels einmal zu übernehmen, könnte er beruhigt daran denken, sich von der Mühsal des Geschäftslebens allmählich zurückzuziehen.

Im Dezember 1923 war es soweit. Lisa Maria heiratete Herrn Gaberle, musste vorher jedoch noch zum katholischen Glauben übertreten. Gaberle förderte die Talente seiner jungen Ehefrau, wie er dies dem Schwiegervater versprochen hatte. Er arbeitet in dessen Geschäft, das er zwei Jahre später auch übernahm.

Die künstlerische Entwicklung Lisa Marias kam jedoch ins Stocken. Sie komponierte zwar emsig, ihr Liederschaffen nahm umfangreiche Formen an und die ersten Orchesterwerke entstanden. Aber es fehlte an der Resonanz des Publikums. Die Konzerte in den Frauenvereinen waren letztlich doch nicht, was ihre Ausstrahlung in die Öffentlichkeit betraf, von durchschlagender Wirkung. Das Publikum bestand fast immer aus den gleichen Personen: ältere Damen, die ihre Zeit in den Vereinen verbrachten und sich damit das Heizmaterial zu Hause sparten, pensionierte k.u.k. Offiziere, die ein bisschen gesellschaftlichen Anschluss suchten, um nicht ganz zu vereinsamen und im wesentlichen Menschen, die ein wenig Gesprächsstoff brauchten, um bei den Konzerten in anderen Vereinen wieder mitreden zu können.

Die Karriere ging im Kreis. Die Werke mit kleiner Besetzung wurden in den Vereinen gegeben, jedoch größere Schöpfungen, die ein Orchester benötigten, konnten aus Platzgründen dort nicht aufgeführt werden. Dabei hatte Lisa Maria eben ihr erstes symphonisches Werk vollendet. Dem Zeitgeist entsprechend war es eine symphonische Dichtung und trug den Namen „Kokain“. Dieses Werk aufzuführen, war ihr sehnlichster Wunsch.

Gaberle suchte ein entsprechendes Orchester, das auch bereit war, die Einstudierung eines neuen Werkes auf sich zu nehmen. Seine beruflichen Kontakte im Holzhandel brachten ihn zwar mit Blasmusikkapellen von Forstgemeinden in Berührung, nicht aber mit Orchestern, die für eine Aufführung von „Kokain“ in Frage kamen.

Bereits vor Monaten hatte er mit mehreren Konzertagenten gesprochen, um eine Aufführung von Liedern mit Orchesterbegleitung zu ermöglichen. Die Bemühungen blieben erfolglos, da jeder Agent zuerst auf die Kassa schaute. Die möglichen Einnahmen aus dem Kartenverkauf waren wichtiger als künstlerische Aspekte der aufzuführenden Werke.

Einer dieser Agenten, Raphael Mendelsohn, oder, wie ihn seine Freunde aus der Branche nannten, Raff Mendelsohn, brachte damals den Gedanken ins Spiel, Gaberle möge es doch im Ausland versuchen. In Frage kamen die Städte Prag, München oder Berlin. Dort seien überall Orchester von hervorragender Qualität, der Rest sei Verhandlungssache. Natürlich sei das Problem des Kartenverkaufs auch im Ausland vordringlich zu lösen, denn es könne nicht erwartet werden, dass das Publikum so ohne weiteres in die Konzertsäle ströme.

Da Lisa Maria immer mehr in Gaberle drängte, den Zeitgenossen „Kokain“ nicht länger vorzuenthalten, suchte er Raff Mendelsohn erneut auf und besprach mit ihm die Sache mit dem Ausland. Mendelsohn schlug ihm diesmal ganz konkret Berlin vor. Er arbeite dort mit der Konzertdirektion Wolff & Sachs zusammen und wenn er, Gaberle nichts dagegen hätte, könnte er ja seine Freunde in Berlin kontaktieren und versuchen, ihnen die Angelegenheit schmackhaft zu machen. Versprechen könne er nichts, aber im Erfolgsfall hätte er gerne eine Provision von bescheidenen 5%. Gaberle stimmte zu und empfahl sich.

Bereits nach einer Woche suchte ihn Raff Mendelsohn in seinem Kontor auf um ihm mitzuteilen, Wolff & Sachs hätten mit den weltberühmten Berliner Philharmonikern, wohl dem besten Orchester Europas, Kontakt aufgenommen und sei dort nicht auf Ablehnung gestoßen. Das Orchester wäre bereit, sich von Lisa Maria Mayer dirigieren zu lassen und auch das Werk „Kokain“ aufzuführen. Über den Rest des Programms müsse man sich verständigen. Auch einen Konzerttermin hätten sie schon ins Auge gefasst, nämlich den 11. Januar 1929. Gaberle möge sich diese Chance für seine geliebte Frau nicht entgehen lassen, so etwas komme wahrscheinlich nie wieder.

Gaberle war wie elektrisiert, als er hörte, dass Lisa Maria nicht nur „Kokain“ zur Aufführung bringen könne, sondern darüber hinaus dieses Werk auch selbst dirigieren dürfe. Ob denn die Berliner Philharmoniker schon jemals unter der Stabführung einer Frau gespielt hätten, fragte er Mendelsohn. Das wisse er nicht so genau, aber es haben in Berlin in jüngster Zeit Ethel Smith und eine Dame aus Wien namens Hrdlicka dirigiert. Wenn er näheres wissen wolle, könne er es in Erfahrung bringen. Berlin sei für Frauen jedoch ein wahres Sprungbrett für eine große Karriere, wie der Fall der Grete Dessoff zeige, die jetzt in Amerika als Chordirigentin wirke.

Die Frage der Finanzen stellte Gaberle ganz kleinlaut, nachdem ihm bewusst geworden war, dass so ein Konzert ja wohl seine Geldmittel überfordern würde. Mendelsohn umging das Thema, sprach von der Einmaligkeit einer solchen Gelegenheit, pries seine Berliner Freunde Wolff & Sachs als die selbstlosesten und hilfsbereitesten Konzertagenten in ganz Deutschland und überhaupt und überhaupt.

Spielen die Berliner Philharmoniker vielleicht auf Einnahmenteilung fragte Gaberle listig.

Ob er vom Mond sei, antwortete ihm Mendelsohn.

Gaberle wurde konkret und wollte die finanziellen Bedingungen des Konzerts wissen.

Mendelsohn rückte heraus. Das Orchester fordere 5.000 Mark als einmaligen Betrag, zu bezahlen unmittelbar vor Beginn des Konzerts. Die Gegenleistungen seien zwei Proben zu jeweils drei Stunden und eben das Konzert selbst. Spielort sei die Philharmonie.

Es entstand eine lange Pause. Gaberle wurde es schwarz vor den Augen. Fünftausend Mark war ein Vermögen das er nicht besaß und auch nicht aufbringen konnte. Das so schöne Traumgebäude bekam Risse und drohte in sich zusammenzustürzen. Mendelsohn nützte den Augenblick und kam auf seine Provision zu sprechen, die mit bescheidenen fünf Prozent noch zusätzlich 250 Mark betrage, die er auch noch vor dem Konzert haben wolle.

Als er wieder begann die Einmaligkeit dieses Ereignisses zu loben, winkte Gaberle ab. Er möge ihm doch lieber aus seinem reichen Erfahrungsschatz Hilfestellung geben, wie er diese Summe aufbringen könne.

Mendelsohn dachte nicht lange nach und kam auf die Konzerte Lisa Marias in den Frauenvereinen zu sprechen. Dort wurden doch oftmals Lieder von ihr aufgeführt. Lisa begleitete am Klavier und ein junger Sänger oder Sängerin trug die Lieder vor. Das Programm in Berlin sei ja noch offen, da könnte man ja einiges einrichten. Er denke da an eine finanziell-künstlerische Kombination. Voraussetzung wäre jedoch, dass die Eltern der Sänger finanzstark seien. Das nehme er an, besonders jener Sänger, die in letzter Zeit im „Verein der Frauen von Zion“ aufgetreten seien.

Gaberle verstand nicht was er meinte. Mendelsohn wurde deutlicher. Lisa Maria möge doch an die Sänger herantreten und ihnen eine Mitwirkung im Konzert in der Berliner Philharmonie in Aussicht stellen. Sie könnte eigene Lieder mit Orchesterbegleitung zur Aufführung bringen und diese von verschiedenen Sängern vortragen lassen. Die Einmaligkeit dieser Chance – Mendelsohn wiederholte sich – müsste den Vätern doch etwas wert sein. So tausend bis zweitausend Mark Zuschuss pro Sänger könne er sich vorstellen. Wenn man die Sache richtig angehe, wären die Gesamtkosten schon eingespielt, ja vielleicht bliebe noch etwas für Gaberle übrig.

Gaberle fühlte sich glücklich, einen so tüchtigen Agenten zu haben. Er musste das alles mit Lisa Maria besprechen. Sie hatte die Kontakte zu den Sängern und würde sicherlich auch über die finanziellen Verhältnisse von deren Eltern bescheid wissen. Mendelsohn wurde verabschiedet, Gaberle verließ frühzeitig das Kontor und eilte nach Hause.

Lisa Maria Mayer

Lisa Maria Mayer

Die Alserstrasse, wo sie auf Nummer 18 wohnten, war an diesem frühen Nachmittag menschenleer.

Er traf Lisa Maria am Klavier sitzend an und teilte ihr die letzten Neuigkeiten mit. Ihr Herz überschlug sich, sie fühlte sich am Ende ihrer Wünsche. Aber dann brach die Welt zusammen, als sie den Preis der Berliner Philharmoniker erfuhr. Auf der anderen Seite aber der Name dieses Orchesters und sie, die erste Frau die es dirigieren durfte!

Schnell ging sie die Namen der jungen Sänger und Sängerinnen durch, versuchte auch sich des Elternhauses zu erinnern, was nicht immer gelang, da sie ja nur künstlerische Gesichtspunkte im Auge gehabt hatte. Was die Väter von Beruf und ob sie vermögend waren, hatte sie bisher nicht interessiert. Geld spielte bei diesen Konzerten ohnehin keine Rolle, da niemand etwas bekam. Aber gerade das rückte nun in den Mittelpunkt.

Noch am gleichen Tag machte sie sich auf den Weg in einen der Frauenvereine, um näheres über die Bonität ihrer ehemaligen Mitkünstler in Erfahrung zu bringen. In zwei Tagen wusste sie alles und schrieb, zusammen mit Gaberle, die Familien von sechs Sängerinnen und Sängern an. Gaberle formulierte mit den Worten Mendelsohns die Einmaligkeit des Ereignisses, das Sprungbrett einer internationalen Karriere usw. usw.

Sie forderten einen Zuschuss, oder wie sich ausdrückten, einen Unkostenbeitrag von zweitausend Mark.

Nach einer Woche lag keine einzige Zusage vor.

Die Gründe die genannt wurden waren unterschiedlich. Derzeit zuwenig flüssige Mittel; der Jahresultimo stand vor der Tür; man wisse nicht, wie sich das Weihnachtsgeschäft entwickeln würde, vielleicht könne man nach den Feiertage weitersehen; der Sohn strebe gar keine internationale Karriere an; die Tochter würde vor Lampenfieber keinen Ton herausbringen und das könne man Frau Mayer nicht antun; in Deutschland seien die Verhältnisse noch viel schlechter als in Wien, allein in Berlin tausende arbeitslose Schauspieler und Sänger, da werden die nicht auf meine Tochter warten; wie man aus Berlin hört, gaben im November innerhalb von zehn Tagen vierzehn Pianisten ein Konzert und alle waren schlecht besucht; kein Mensch würde wegen meiner Tochter in die Philharmonie gehen und überhaupt.

Der Himmel verdüsterte sich wieder.

Mendelsohn drängte, da auch ihn Wolff & Sachs drängten, die wiederum von der Intendanz der Berliner Philharmoniker bedrängt wurden.

Lisa Maria erinnerte Gaberle an das Versprechen, das er ihrem Vater gegeben hatte, ihre Karriere zu fördern. Gaberle kam zwischen die Mühlsteine.

Lisa kümmerte sich nach den Absagen der Sänger um die künstlerische Seite des Konzerts. Im Zuge eines Briefwechsels mit Wolff & Sachs wurde das Programm festgelegt. Begonnen wird mit der 4. Symphonie von Beethoven, nach einer Pause sollte „Kokain“ gespielt werden und nach einer weiteren Pause, als effektvoller Abschluss, die Euryanthe Ouvertüre von Weber.

Endgültig fixiert wurde auch der Zeitpunkt des Konzerts, nämlich Freitag, der 11.1.1929.

Das Notenmaterial für „Kokain“ erbat sich das Orchester spätestens eine Woche vor dem Konzerttermin.

Gaberle musste die finanzielle Frage lösen.

Woher sollte er fünftausend Mark nehmen? Sicherlich, er könnte mit seinem Bankhaus sprechen und einige Rechnungen zedieren. Aber das Holzlager war bereits zur Hälfte dem Bankhaus verpfändet und die Herren äugten ohnehin schon ein wenig skeptisch auf ihn. Man könnte den Brennholzhandel stärker betreiben. Die Zeit dafür war gut, der Winter stand unmittelbar vor der Tür.

Eigentlich brauchte er das Geld ja nur leihweise, da der Kartenverkauf ja ohnehin alle Kosten decken würde. Wenn aber, wie Mendelsohn sagte, der Kartenverkauf doch nicht so reibungslos verlaufen würde? Wenn das Publikum nicht in den Konzertsaal strömen würde? Wolff & Sachs würden schon wissen, wie man den Kartenverkauf ankurbeln könnte. Aber die werden dafür wieder eine Provision haben wollen. Zwar habe Mendelsohn mit ihnen vereinbart, dass ihre Provision in den Fünftausend Deckung finden müsse, das sei eine Angelegenheit zwischen dem Orchester und Wolff & Sachs.

Gaberle ermannte sich und trat den Weg ins Bankhaus Oppenheimer an.

Man einigte sich sehr rasch. Der Ruf, den Gaberle dort genoss – er war als pünktlicher und verlässlicher Zahler bekannt – kam ihm zugute. Die Bank gab ihm die Zusage der fünftausend Mark und nahm als Sicherheit die Zessionen von drei Rechnungen in etwa gleicher Höhe in Anspruch.

Nun war einmal der erste Druck von ihm gewichen. Er ging ins gegenüberliegende Cafe Griensteidl, bestellte sich einen Cognac und griff zu den Tagesblättern. Eher gedankenlos als interessiert, wie einer, der von seiner bevorstehenden Verhaftung erfahren hatte und nun resigniert der kommenden Stunden harrte, blätterte er in den Zeitungen.

Am Zeitungstisch sah er den „Berliner Lokal Anzeiger“ und wunderte sich, dass so eine Zeitung in einem Wiener Cafehaus überhaupt auflag. Er überflog die vorderen Seiten und suchte im Anzeigenteil, was man denn in den nächsten Tagen im Konzert gab, fand nichts aufregendes, blätterte weiter und stieß auf zwei Seiten mit Heiratsanzeigen. Was es da alles gab! Aus jeder Annonce trief es förmlich von edlem Menschentum. Diese Offenheit in der Sprache! Na! Preußen eben!

Schon wollte er das Blatt weglegen, als ihn ein Gedanke durchfuhr.

Noch einmal schlug er die Heirats- und Bekanntschaftsannoncen auf und las sie alle sorgfältig durch. Es ging ganz eindeutig aus den Texten hervor, dass es Leute aus dem bürgerlichen Milieu waren, die hier einen Partner fürs Leben oder sonst etwas suchten.

Das war die Lösung aller seiner Probleme!

Heimlich riss er das Impressum heraus und steckte den Zettel ein.

Zurück in seinem Kontor gab er die nötigen Anweisungen für die drei Rechnungszessionen, erledigte die Korrespondenz, besprach mit seinem Prokuristen die zu treffenden Maßnahmen zur Forcierung des Brennholzhandels und verabschiedete sich für heute. Entgegen seiner Gewohnheit, er ging sonst immer zu Fuß von zu Hause in sein Geschäft, nahm er die Elektrische in die Alserstrasse. Es durfte keine Zeit verloren gehen.

Lisa war wie immer am Klavier. Er unterbrach ihr Spiel, zog sie an den Esstisch und eröffnete ihr seine, wie er sie selbst bezeichnete, geniale Idee: Er werde im Berliner Lokal Anzeiger eine Heiratsannonce schalten. Eine reiche Frau sucht einen Mann und schlägt als Treffpunkt das Konzert der Berliner Philharmoniker mit der Dirigentin Lisa Maria Mayer vor. Alle müssten sich Billette kaufen und damit wären sie all ihre Sorgen los.

Lisa Maria gefiel das anfänglich gar nicht. Sie hatte tausend wenn und aber, wälzte den Gedanken von links nach rechts, widersprach, ließ eigene Ideen einfließen, Gaberle widersprach, kurz: man redete sich zusammen und als es Abend wurde, ward das Kind geboren.

Gemeinsam wurde eine Annonce aufgesetzt und an den Berliner Lokal Anzeiger abgeschickt.

Am 1.1. 1929 erschien dort folgendes Inserat:

Wienerin
Intelligent, jung, hübsch,
mit sehr guter Kinderstube,
Witwe nach einem Berliner
Großindustriellen, mit sehr
schönem eigenen Berliner
Heim, finanziell vollkommen
sichergestellt und gänzlich
unabhängig, sucht, des
Alleinseins müde, die Bekanntschaft
eines lieben und guten
Kameraden. Konfession und
Vermögen Nebensache, Herzensgüte
Bedingung. Nicht anonyme Zuschriften
unter B.P. 4501 an den Verlag.

Oder Original aus dem BLA (Stunde)

Da Gaberle mit einigen hundert Zuschriften rechnete, schlug er Lisa vor, die Antwortschreiben von einem Schreibbüro in Wien anfertigen zu lassen und dann in Berlin nur mehr die Briefumschläge mit den Adressen zu schreiben.

Der Brief lautete:

 

Original handschriftlicher Brief (Berl. Morgenpost 12.1.1929)

Original handschriftlicher Brief

Mein Herr!

Ihre Zuschrift gefällt mir und wäre ich nicht abgeneigt, Ihre Bekanntschaft zu machen.

Ich bin Freitag abends, den 11 .ds. in der Philharmonie und sitze in den vorderen Reihen und es wäre in der Pause eine Vorstellungsmöglichkeit gegeben. Bin groß und trage einen Strauß weißer Rosen.

Mit Grüßen

Lisa hatte noch eine weitere Idee. Man sollte versuchen, auch Damen mit einer entsprechenden Anzeige in das Konzert zu locken. Gaberle gefiel das nicht so gut, da Damen wahrscheinlich kein Geld für eine Karte ausgeben würden. Lisa ging es aber darum, einen möglichst vollen Saal zu haben. So einigte man sich, dass den Antwortschreiben an die Damen ein Freibillett beigelegt werden sollte.

Gaberle verfasste eine Anzeige eines Mannes, eines gut situierten Mannes, der für seine so einsamen Tage nach einer einfühlsamen Frau sucht. Dann schrieb er die Musterbriefe und ließ sie am nächsten Tag in einem Schreibbüro vervielfältigen.

Am 28. Dezember 1928 reisten sie mit dem Nachtschnellzug nach Berlin.

Konzertvorbereitungen

Das Ehepaar Mayer bezog ein Zimmer im Hotel Fürstenhof am Potsdamer Platz. Lisa Maria war glücklich, dass es das Zimmer 111 war, denn drei Einser deutete sie als ein Glückszeichen.

Ihr erster Besuch galt der Konzertagentur Wolff & Sachs. Frau Mayer brachte das Notenmaterial ihrer symphonischen Dichtung „Kokain“, damit es dem Orchester weiterleiten werden möge.

Gaberle versuchte bei diesem Besuch, die Agentur  doch noch umzustimmen, ein größeres Risiko für den Kartenverkauf zu übernehmen. Wolff & Sachs wollte davon aber nichts wissen. Sie hatten bereits, wie sie sich ausdrückten, eine Unsumme in das Affichieren der Plakate gesteckt und machen darüber hinaus Propaganda in ihrem gesamten Kundenkreis, bei ihren Konzertabbonenten, und wie Gaberle ja weiß, sei das ein sehr großer Kreis von Musikkennern und Liebhabern. Zu dem Problem, dass sich das Erstemal eine Dirigentin am Pult der Berliner Philharmoniker präsentiert, müsse er, Gaberle, schon auch selbst etwas beitragen. Damit war natürlich der Kartenverkauf gemeint, etwas anderes interessierte Wolff & Sachs ohnehin nicht.

Man gab Gaberle noch ein ganzes Paket von Freikarten mit, die er in seinem Bekanntenkreis verteilen möge.

Lisa Mayer hatte als Künstlerin anderes im Kopf. Schon träumte sie von einem Klavierabend in der Philharmonie, dies für den Fall, dass ihr Debut als Dirigentin doch nicht den erhofften Publikumserfolg zeigen sollte.

Über alles ging ihr natürlich die Erstaufführung ihrer Symphonischen Dichtung „Kokain“. Zwei Proben waren vereinbart worden. Dieses Berufsorchester, das beste von ganz Deutschland, sollte mit dem Notenmaterial keine allzu großen Probleme haben. Der Beethoven der zu Anfang gespielt werden sollte und die Euryanthe Ouverture bedurften wahrscheinlich nur einer Verständigungsprobe.

Dies waren die Gedanken der Lisa Maria Mayer. Für den finanziellen Erfolg, worunter nur der Kartenverkauf zu verstehen war, hatte sie ja Wolff & Sachs. Und ihren Mann.

Dieser sah die Sache nach dem Gespräch mit der Agentur ein wenig anders. Was sollte er denn dazu beitragen, dass der Kartenverkauf ins Rollen gebracht werden konnte? Die wenigen Bekannten sie in Berlin hatten, waren von dem Konzert unterrichtet und hatten auch alle zugesagt, auf jeden Fall zu kommen.

Was die beiden Anzeigen bringen werden, die ja am Neujahrstag erscheinen sollten, müsse man noch abwarten.

Am 3. Januar suchte Gaberle die Redaktion des „Berliner Lokal-Anzeiger“ auf und erkundigte sich, ob schon Zuschriften auf die Anzeigen eingetroffen seien. Er traute seinen Augen nicht als man ihm in der Anzeigenabteilung die bereits eingegangenen Zuschriften auf die Annonce der „Wienerin“ aushändigte. Es war nicht eine Handvoll Briefe, sondern ein Stoß von, wie er im Hotel nachzählte, fast hundert Umschlägen. Und das am ersten Tag nach dem Erscheinen der Annonce.

Was stellten sich da für edle Menschen vor: Alte Offiziere, die sich durch das Wort Kamerad besonders angesprochen fühlten, kleine Gewerbeinhaber, die glaubten, sich in das Gefühlsleben einer Witwe nach einem Großindustriellen mit Herzenstakt einfühlen zu können, Juden, die auf einen persönlichen Reichtum anspielten und als Gemeinsamkeit ebenfalls auf eine völlige finanzielle Sicherstellung ihrerseits verwiesen, in Berlin lebende Wiener, die einer Landsfrau in der Fremden beiseite stehen wollten; und alle, ohne Ausnahme, waren ebenfalls des Alleinseins müde. Jeder der Schreiber hatte somit mindestens zwei, die meisten jedoch drei bis vier Gemeinsamkeiten mit der Wienerin aufzuweisen und priesen sich als ideale Männer, an denen die junge Witwe einfach nicht vorbeigehen könne.

Alle diese Zuschriften mussten beantwortet werden.

Gemeinsam mit Lisa Maria beschrifteten sie die aus Wien  mitgebrachten Briefumschläge mit den Anschriften der Brautwerber. Die vorgeschriebenen Briefe wurden beigelegt. Den Briefen an die Damen legten sie eine Freikarte bei.

Lisa fürchtete angesichts der vielen Briefe um ihre Karriere als Pianistin, so schmerzten schon ihre Hände vom Adressen schreiben.

Knapp vor dem Konzert suchte Gaberle die Konzertdirektion Wolff & Sachs in ihrem Kontor auf. Man verkündete ihm gleich beim Eintritt die überaus erfreuliche Lage des Kartenverkaufs. Es sei interessant, dass entgegen den Erfahrungen, bei diesem Konzert die teuren Karten in den vorderen Reihen fast ausverkauft seien, während die billigeren Karten in den hinteren Reihen noch zu haben sind. Normalerweise sei es umgekehrt. Aber bis zum Konzert sind ja noch einige Tage und er hoffe auf ein gut besetztes Haus.

Das Konzert am 11. Januar 1929

Der Konzertsaal war in der Tat gut ausgebucht. In den vorderen Reihen waren allerdings fast keine Damen zu sehen. Nur alleinstehende Herren reckten dort die Hälse, als ob sie jemanden suchen würden.

Auch Horst Jentzsch war unter den Zuhörern. In einem tadellos sitzenden Smoking mit weißem Hemd und schwarzer Fliege stellte er sich vor die erste Reihe und blickte gespielt gelangweilt ins Publikum. Jeder im Saal konnte ihn genau sehen. Wie ein Raubvogel auf Beute ausspäht, suchte er in den Logen einen weißen Rosenstrauss. Vielleicht hatte die Dame die Rosen gar nicht in der Hand, sondern auf dem Nebensitz abgelegt. Schon wollte er seinen Aussichtspunkt verlassen und in den Logenbereichen herumstreichen, als die ersten Musiker das Podium betraten und ihre Instrumente einspielten.

Für die Plätze in den hinteren Reihen hatte man Freikarten ausgegeben. Jeder Orchestermusiker erhielt Karten so viel er mochte, die er dann in seinem Familien- und Freundeskreis verteilte.

Die Dame hatte ihm doch geschrieben, dass sie in den vorderen Reihen sitzen würde. Das Podium füllte sich allmählich mit dem ganzen Orchester, zuletzt kam der Konzertmeister, der mit Applaus begrüßt wurde. Vielleicht hat sie sich verspätet. Vielleicht würde sie erst in der Pause kommen.

Lisa Maria war die letzten Stunden vor dem Konzert nervös. Nicht dass sie sich gefürchtet hätte, aber die Proben zu „Kokain“ verliefen uneben. Die Holzbläser, denen sie besonders subtile Passagen zugedacht hatte, phrasierten ungenau und verpatzten einige Einsätze, die Bassgeigen, quasi das Fundament des Kokainklanges, waren unwillig und hielten sich streng an die Noten, ohne den Geist dieser Musik aufzunehmen. Wunschlos glücklich war sie mit den Blechbläsern, die im Finale strahlende und metallene Töne produzierten.

Das Konzert begann mit der 4. Symphonie von Beethoven.

Lisa Maria Mayer am Pult der Berliner Philharmoniker

Lisa Maria Mayer am Pult der Berliner Philharmoniker

Dann folgte eine Pause. Die Herren aus den vorderen Reihen gingen in den Pausenräumen suchend herum, betraten immer wieder den Saal, um in den vorderen Reihen Nachschau zu halten, ob die Dame mit den weißen Rosen vielleicht gekommen sei.

Aber diese Dame war nicht zu sehen. Nicht in der Pause und auch nicht im zweiten Teil des Konzerts, der eben beginnen sollte.

Lisa Maria betrat das Pult und es begann „Kokain“, eine symphonische Dichtung. Ein Durchfall, wie die Kritiker nachher in seltener Einmütigkeit bekannten.

Die Atonalität des Werkes konnte die Gemütswallungen der Kavaliere in den vorderen Reihen nicht glätten. Den meisten von ihnen war es in der Zwischenzeit klar geworden, dass sie hier wohl einem Schwindel aufgesessen waren.

Manche trugen es mit Fassung, manche suchten noch das Positive, nämlich zum erstenmal in der Philharmonie gewesen zu sein und damit eine Bildungslücke geschlossen zu haben.

Das waren aber die wenigsten. In den Herzen der meisten kochte es. Man hat ja für das Billett Geld ausgegeben, Geld das in der heutigen Zeit sauer verdient werden musste und nicht gerade üppig zur Verfügung stand.

Knapp vor einer Explosion stand Jentzsch. Sechs Monatsraten für den Smoking standen ihm noch bevor. Das versuchte er wegzuschieben. Seine männliche Ehre war getroffen und weidwund geschossen. Dieser Giftpfeil traf ihn mitten ins Herz. Was hatte er sich schon alles für die Konversation mit der Dame überlegt. Über Beethoven hatte er gelesen, mit dem Problem der weiblichen Dirigenten hatte er sich auseinandergesetzt, obwohl ihn das überhaupt nicht interessierte oder berührte. Die Geschichte der Berliner Philharmoniker hatte er studiert, damit er vor den Augen der Dame glänzend dastehen könne. Er musste ja annehmen, dass die Wiener Witwe eine Musikliebhaberin sei und das Anfangsgespräch sich ja nur um Musik handeln wird können.

Das so wichtige Anfangsgespräch!

Und jetzt diese Blamage!

Schwindlern ist er hereingefallen. Man hat ihn nur als Geldlieferant benutzt, um die Kasse der Philharmonie zu füllen. Und immer wieder die noch offenen sechs Monatsraten für den Smoking. Und beim Frisör ist er heute auch noch gewesen, obwohl seit dem letzten Mal erst drei Wochen vergangen waren.

In der zweiten Pause nach „Kokain“ bildeten sich da und dort Gruppen von aufgebrachten Freiern. Man zeigte einander die Briefe, die man erhalten hatte. Sie glichen wie ein Ei dem anderen. Eine Handschrift der Brief, eine andere der Briefumschlag. Der Schwindel war aufgedeckt!

Die Gruppen vereinten sich und wurden größer. Sie wurden auch lauter. Einzelne Damen, die allein ins Konzert gekommen waren, umkreisten die Gruppen, versuchten ein paar Worte aufzuschnappen, hielten sich aber meist diskret im Hintergrund und mischten sich in die Diskussionen nicht ein.

Mehrere Klingelzeichen kündeten das Ende der Pause an. Unsicherheit machte sich breit. Sollte man bleiben und sich weiter etwas anhören, was einem nicht gefiel und schon gar nicht interessierte oder besser weggehen und sich mit einem Bier abkühlen?

Lisa Maria Mayer betrat das Podium und ging zum Dirigentenpult. Die Herren standen noch immer in den Gängen. Da geschah das Unfassbare. Jentzsch, der nicht mehr an sich halten konnte, bleich vor Wut, lief nach vorne zum Podium, schwang sich auf das Dirigentenpult, schob Lisa Maria zur Seite und rief mit bebender Stimme in den Saal, dass hier amerikanische Reklamemethoden angewendet werden und man Leute mit üblen Tricks in das Konzert gelockt habe. Heftige Zurufe von den Herren in den Gängen, da und dort zaghafter Applaus, meist von zarten Frauenhänden, unterbrachen Jentzsch in seinem Redeschwall.

Die erbosten Heiratskandidaten

Die erbosten Heiratskandidaten

Lisa Maria Mayer erbleichte und fiel in Ohmacht. Sie sank den beiden vorne sitzenden Cellisten in die Arme, die gerade noch rechtzeitig ihre Instrumente in Sicherheit bringen konnten. Nun wurden auch Stimmen aus dem Orchester laut, die Jentzsch aufforderten, unverzüglich das Podium zu verlassen. Was er denn meine wo er sei! Dies ist ein Konzertsaal und keine kommunistische Rednertribüne!

Man trug Lisa Maria hinaus, wo sie sich rasch erholte. Sie verstehe überhaupt nicht, was hier vorginge. Hat denn ihre Symphonische Dichtung nicht gefallen? Sind die Berliner so unmusikalisch und haben sie sowenig Verständnis für die Kunst? Warum sind sie denn hierher gekommen, was haben sie sich denn erwartet in einem Konzert?

In der Zwischenzeit wurde längst die Polizei alarmiert. Auf dem zuständigen Revier 194 in der Wilhelmstrasse glaubte man zuerst an einen Scherz enttäuschter Musikliebhaber, die des Abspielens zeitgenössischer Musik müde wurden und sich mit dem Einschreiten der Polizei in der Philharmonie einen Racheakt gönnten und den Veranstaltern so einen Denkzettel verabreichen wollten. Erst nach einigen weiteren aufgeregten Telephonanrufen, wo sie denn seien, wenn man sie einmal brauche, seien sie nicht da, setzte sich ein Trupp von Schutzmännern in Richtung Philharmonie in Bewegung.

Sie mussten nicht in das Gebäude eindringen. Erboste Zuschauer und einige Herren des Orchesters hatten die Randalierer aus dem Saal gedrängt. Die Geprellten verließen, nachdem sie sich an der Garderobe ihre Überzieher geholt hatten, die Philharmonie und standen am Ausgang der Polizeitruppe gegenüber.

Nun begann von Neuem ein Gezeter, Beschimpfungen wurden laut und Beschuldigungen wegen Betrugs wurden erhoben. Die Schupos standen der Situation völlig hilflos gegenüber. Etwa hundert gut gekleidete Herren in höchster Erregung schimpften gegen „unbekannt“.

Der Kommandierende der Polizeitruppe entschied, dass man die Sache auf dem Revier einmal besprechen könnte und dann sei es den Herren freigestellt, Anzeige zu erstatten.

Die Kolonne setzte sich in Richtung Wilhelmstrasse in Bewegung. Auf dem Revier kamen allerdings nur mehr 27 Herren an. Einige polizeibekannte Heiratsschwindler hatten sich schon beim Anblick der Polizisten aus dem Staub gemacht, andere Herren zogen es vor, in den Seitengassen zu verschwinden. Sie hatten genug. Jetzt noch bei der Polizei einen Papierkrieg zu beginnen, Personaldaten bekannt zu geben, nein das ging ihnen zu weit.

Am Revier hörte sich der diensthabende Kriminalrat Mitschke die Sache an. Er stellte es den Herren nun frei, eine Anzeige zu erstatten. Jentzsch war sofort dafür, die anderen Herren sprachen das Thema der Kosten einer solchen Anzeige an. Wahrscheinlich wird man nicht umhin kommen, sich einen Anwalt nehmen zu müssen. Kriminalrat Mitschke verneinte dies, da es die Aufgabe der Polizei sei, solche Vorfälle genau zu untersuchen und dann, wenn genügend schwerwiegende Gründe vorlagen, die Staatsanwaltschaft einzuschalten.

Jentzsch hatte heute einen besonders kreativen Tag. Alle Energie, die er sich für den Abend mit der Wiener Witwe aufgespeichert hatte, wurde nun frei und stand seinem Geist zur Entwicklung neuer Phantasien zur Verfügung. Er schlug den Herren die Gründung eines Vereins vor, dessen Aufgabe die nun zu erstattende Anzeige sei und der später, nachdem Gras über die Sache gewachsen war, in einen reinen Geselligkeitsverein umgewandelt werden sollte.

Dieser Vorschlag wurde nicht abgelehnt und man erstattete die Anzeige. Mitschke erbat sich einige Exemplare von den Briefen und nach Verfassen eines Protokolls zog die Gesellschaft, weit nach Mitternacht, ab.

In der Philharmonie hatte sich Lisa Maria Mayer rasch erholt und dirigierte den letzten Teil des Konzerts, die Euryanthe Ouvertüre von Weber. Nach spärlichem Schlussapplaus ging das Konzert ordnungsgemäß zu Ende.

Die Nachwehen

Im Hotel angekommen, machte Lisa Maria ihrem Mann die heftigsten Vorwürfe. Er sei an allem Schuld, diese Idee mit der Heiratsannonce sei seine gewesen und jetzt ist ihr Ruf sowohl als Dirigentin, als auch als Komponistin für immer dahin. Gaberle verteidigte sich damit, dass sie ja dieser Idee zugestimmt hatte und sogar den Brief an die Damen mit verfasst habe. Da sehe man wieder die Männer: ihr Teil der Idee, nämlich auch Damen ins Konzert zu laden habe ja vortrefflich funktioniert, aber sein Part habe eben nicht geklappt. Die Männer hätten den Skandal verursacht, und nicht die Frauen.

Was sie aber noch gar nicht wisse, da er selbst es erst ein paar Minuten vor dem Konzertbeginn erfahren hat, als er die vereinbarten fünftausend Mark übergab, ist die Höhe der Kassaeinnahmen. Sie seien ganze dreihundertfünfzig Mark gewesen. Das war alles das Geld der Kavaliere. Der Rest der Karten sei verschenkt worden. Sie möge also nicht so tun, als ob er nicht das Beste für sie getan hätte.

Ein Wort gab das andere, Lisa Maria verfiel in einen Heulkrampf und Gaberle tröstete sie damit, dass er, sollten sie in den nächsten Tagen auf das Konzert angesprochen werden, alles auf sich nehmen werde. Lisa Maria sollte so tun, dass sie nichts von alldem, wusste.
Dieses Versprechen Gaberles war wichtig, denn am nächsten Morgen war in Berlin die Hölle los. Es gab keine Zeitung, die das nächtliche Ereignis nicht auf der Titelseite brachte.

„Skandal in der Philharmonie“
„Das Heiratskonzert in der Philharmonie“
„Heiratswut in der Philharmonie“
„Das Heiratskonzert“

so und ähnlich lauteten die Schlagzeilen.
Das Konzert war Tagesgespräch in den Kaffeehäusern und in allen kulturell interessierten Kreisen.

Entsprechend hungrig nach Neuigkeiten waren die Reporter. Sie schwärmten nach allen Richtungen aus und führten Interviews.

Das Polizeirevier in der Wilhelmstrasse war die wichtigste Anlaufstation. Dort liefen die Ermittlungen bereits auf Hochtouren. Der in der Nacht diensthabende Kriminalrat Mitschke wurde durch Kriminalrat Krüger abgelöst. Zuerst wurden die beiden Agenten Wolff und Sachs einvernommen. Sie bestritten, überhaupt etwas mit dem Skandal zu tun zu haben und gaben den Hinweis, dass der Mann der Mayer, Herr Gaberle auch ihr Agent sei und mit ihm alle Verhandlungen geführt wurden.

Krüger sandte zwei Polizisten ins Hotel Fürstenhof, um Gaberle zur Einvernahme auf das Revier zu bringen.

Im Hotel herrschte bereits Hochbetrieb. In der Halle standen die Reporter, einige hatten einen Photografen mitgebracht. Alle wollten sie zu Lisa Maria Mayer. Doch diese bevorzugte es, heute im Bett zu bleiben und eine schwere Unpässlichkeit vorzutäuschen. Sie lehnte vorerst alle Besuche ab. Doch sie konnte dem Druck der Presse nicht lange standhalten.

Lisa Maria Mayer am Krankenlager im Hotel Fürstenberg

Lisa Maria Mayer am Krankenlager im Hotel Fürstenberg

So gab sie ihre ersten Interviews. Sie sei empört über das was gestern vorgefallen war. Das sei das Werk von Neidern gewesen. Man gönne ihr einfach nicht, dass sie ein eigenes Werk zur Aufführung bringen konnte und ein so bedeutendes Orchester wie die Berliner Philharmoniker dirigieren durfte.

Mitten im ersten Interview erschienen die beiden Schupos und baten Gaberle mitzukommen. Lisa Maria verfiel in einen Weinkrampf und beschwor den Reporter, doch etwas für sie zu tun. Der wollte aber nur seine Story und ein Photo von der im Bett krank daniederliegenden Lisa Maria Mayer. Als er das hatte verließ er das Zimmer 111 und schon war der nächste Pressemann im Raum.

So ging das den ganzen Vormittag. Das Hotelpersonal hatte alle Hände voll zu tun, den Besucherstrom zu regeln.

Kriminalrat Krüger macht mit Gaberle kurzen Prozess. Er sagte ihm auf den Kopf zu, dass er und seine Frau Betrüger seien und selbst die Annonce aufgegeben hatten. Gaberle gestand, stritt aber jede Betrugsabsicht ab. Es sei ihm nur um den künstlerischen Erfolg seiner Frau gegangen. Er wollte ein gut besuchtes Haus und deshalb habe er diesen ungewöhnlichen Weg beschritten. Als Zeichen seiner Lauterkeit bot er Krüger an, einen Betrag von fünfhundert Mark hier bei der Polizei zu hinterlegen für den Fall, dass jemand sein Eintrittsgeld zurück haben wollte. Krüger ging darauf ein, nahm Gaberle aber sicherheitshalber noch seinen Reisepass ab und verbot ihm, Berlin zu verlassen.

Er könne gehen.

Am Gang vor Krügers Zimmer fiel Gaberle eine Gruppe von jungen Frauen auf, dachte sich aber nichts dabei.

Kaum war Gaberle gegangen, stürmten die Zeitungsreporter das Zimmer Krügers. Der teilte ihnen das Ergebnis der Einvernahme Gaberles mit. Das genügte.

Am nächsten Tag, wieder auf der ersten Seite, wurden die Hintergründe des Skandalkonzerts breitgetreten. Lisa Maria Mayer wurde nun nicht mehr mit diesem Namen genannt, sondern schlicht und einfach „Frau Gaberle“. Kübelweise wurden Spott und Hohn über diese beiden Österreicher ausgeleert. Spottgedichte, ja sogar vielstrophige Oden wurden gedichtet. Lisa Maria wurde als „Billet-Douse“ bezeichnet. Man befürchtete, dass dieser Trick Schule machen könnte und stellte Überlegungen an, wie man solches in Zukunft verhindern könne. Andere Zeitungen empfahlen einigen schlecht besuchten Theatern, sich doch dieser Methode zu bedienen, um die Auslastung zu verbessern.

Lisa Maria blieb bei ihrer Rolle als unwissende Künstlerin. Als ihr die Reporter sagten, dass Gaberle bereits gestanden hatte, alles selbst inszeniert zu haben, spielte sie die Empörte und verkündete, sich scheiden zu lassen.

Dies brachte einige Blätter zur Schlagzeile: „Frau Gaberle lässt sich scheiden“.

Tiefschürfende Analysen wurden in den Blättern angestellt, wie schwierig doch eine Ehe mit einer Künstlerin sei. Zuerst macht der Mann alles für seine Frau und dann will sie sich noch scheiden lassen!

Das bewog Lisa Maria wiederum, am nächsten Tag ihre Scheidungsabsicht zu dementieren, was sofort wieder Schlagzeilen wie „Frau Gaberle lässt sich doch nicht scheiden“ hervorrief.

Nach zwei Tagen erschienen die Konzertkritiken. Sie waren vernichtend.

Die Berliner Morgenpost schrieb:

Die Musikerin und Dirigentin Lisa Maria Mayer ist kritisch zu werten. Es kann sehr kurz ausfallen: denn wo kein Wert ist, da gibt´s auch kein werten……..Das Taktieren Frau Mayers hat fast etwas starr Feldwebelhaftes, und sie trägt damit jedenfalls nur dazu bei, die naturgegebene Abneigung gegen weibliche Dirigenten zu stärken……..Sie repräsentiert kunstfremde Körperlichkeit von handfestem Metronom.

Und die Komponistin? Nun, ihre sinfonische Dichtung „Kokain“ (die jedwede narkotisierende Wirkung auf die anwesenden 200 Heiratskandidaten völlig versagte) – sie ist nicht besser oder schlechter als hundert andere sinfonische Verstiegenheiten, die nach Strauß das Licht der Konzertwelt erblickten, um dank ihrer Indifferenz und Unoriginalität, ihres abgelauschten Schreker-Klanges schnell verdienter Vergessenheit anheimzufallen. Eine Belanglosigkeit, über die man lächelnd hinweggehen darf……

Ähnlich der Kritiker des Berliner Tagblatts:

…….Die Dirigentin Lisa Maria Mayer ….hat von ihrem Meister Franz Schalk ein solides Taktschlagen gelernt: ein braves Auf und Nieder der Arme, das über die Introduktion eine lähmende Spannungslosigkeit breitete und in allen vier Sätzen mehr das metrische Gerüst, Beethovens Zählzeiten betonte als Beethovens schwebende Musik.

Komponistin……“Kokain“ wird niemand zu verbotenen Rauschzuständen verführen. Sie ist eine Art Schreckenskammer, oder besser gesagt eine Schrekerkammer, eine Mischung von denaturierten Akkorden und schulstubenhafter thematischer Arbeit…..

In diesem Tonfall waren alle Kritiken gehalten.

Lisa Maria wollte so schnell wie möglich Berlin verlassen. Sie konnte aber nicht ahnen, was sie in Wien erwarten würde.

Hier hatte die Presse natürlich Wind von der Sache bekommen und rührte schon die Häme an, die dann genüsslich über sie geschüttet wurde.

„Wer kennt Lisa Maria Mayer?“ titelte „Die Stunde“ und verbreitet sich so, dass auch das Berliner Skandalkonzert zum Gesprächstoff Nummer 1 in Wien wurde. Gespickt mit unterschwelligen Animositäten zwischen Reichsdeutschen und Wienern wurde Lisa Maria nicht nur der künstlerische Rang abgesprochen, sondern sie wurde zur nationalen Kunstschande herabgewürdigt.

Nicht nur in den Cafehäusern war Lisa Maria Mayer Gesprächstoff. Wenn man im Konzert oder im Theater oder in der Oper einen alleinstehenden Bekannten traf, wurde er hinterlistig gefragt, ob er sich hier auf Freiersfüßen bewege. Traf man eine oder zwei befreundete Damen, mussten sie sich die Frage gefallen lassen, auf welche Annonce sie hergekommen seien. Trug eine ein besonderes oder auffallendes Schmuckstück, wurde gefragt, ob dies das Erkennungszeichen für ein Rendezvous sei.

Das liebten die Wiener.

Die Damen der Frauenvereine reagierten gespreizter. Man mokierte sich über Lisa Maria Mayer, bedauerte, dass man sie in der Vergangenheit gefördert hatte und schwor sich gegenseitig, dass dies in Zukunft nicht mehr der Fall sein werde.

Nachdem in Berlin der Skandal fünf Tage breitgetreten wurde, die Rosenkavaliere ihre Anzeige zurückzogen und keinen Verein gründeten, einige Damen sich mit Aussagen eigentlich nur wichtig machen wollten, ohne eine Forderung auf Rückerstattung des Eintrittspreises stellten – sie hatten ja Freibillette erhalten – , erkannte Kriminalrat Krüger, dass keine Betrugsabsicht vorgelegen sei. Er gab Gaberle die hinterlegten 500 Mark und seinen Pass zurück und gestatte ihm die Ausreise.

Horst Jentzsch trug eine Woche nach dem Konzert seinen neuen Smoking ins Pfandleihhaus.